Hunde haben einen Augenbrauenmuskel, der bei Wölfen nicht vorkommt
Der New Scientist berichtete im Juni 2019: „Hunde haben einen speziellen Muskel entwickelt, der es ihnen ermöglicht, Welpenhundeaugen auszubilden“ (Page 2019). Mit „Welpenhundeaugen“ ist gemeint, dass Hunde Menschen so ansehen können, dass sie ihre Herzen schmelzen lassen. Das Anheben der Augenbraue kann dem Hund sogar einen etwas traurigen Blick verleihen. Das funktioniert durch einen Muskel, der es dem Hund ermöglicht, seine innere Augenbraue anzuheben, was sein Auge größer erscheinen lässt. Der Welpenhundeaugen-Blick ist zweifelsohne der Grund, warum sich viele Kinder in einen Hund verlieben und immer wieder um einen Hund als Geschenk betteln. Interessant ist, dass es sich bei diesem verführerischen Merkmal um ein spezifisches Hundemerkmal handelt, das bei dem Vorfahren des Hundes, dem Wolf, nicht vorkommt. Es handelt sich also um eine Besonderheit, die erst vor kurzem, nach der Abspaltung der Hunde von Wölfen, entstanden sein muss.
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Abb. 1: Aus dem Permafrost geborgener hundähnlicher Wolf oder wolfähnlicher Hund. Genetische Studien sind nicht schlüssig, ob es sich um einen Hund oder einen Wolf handelt. (Sergei Fyodorov/The Yakutsk Mammoth Museum)
Bei den Wölfen, die ihre Augenbrauen nicht heben können, existiert dieser Muskel nicht. An seiner Stelle befindet sich stattdessen eine kleine Sehne, die teilweise mit einem anderen Muskel verbunden ist. Es wird angenommen, dass die Menschen Hunde bevorzugten, die den beschriebenen Gesichtsausdruck zeigen, und so wurde dieses bevorzugte Merkmal selektiert. Es ist davon auszugehen, dass der Muskel das Ergebnis eines kompletten genetischen Pakets ist, also ein ganzheitliches Bauplanelement bildet, und nicht auf eine einzige Mutation zurückgeht. Die Konstruktion der neuen Eigenschaft war demnach vermutlich ein unmittelbares ganzheitliches Ereignis. Eine Anhäufung mehrerer ungerichteter winziger genetischer Veränderungen, wie sie die darwinistische Theorie vorschlägt, ist mathematisch-informationstheoretisch höchst unwahrscheinlich, da der Muskel ein hochgradig integrierter physikalisch-neuronaler Komplex ist.
Der neue Muskel ist umso bemerkenswerter im Zusammenhang mit einem Welpen, der 2018 im sibirischen Permafrost gefunden wurde (Litvinova & Kutukov 2019). Der Welpe, der in einer Schicht aus gefrorenem Schlamm konserviert wurde, ist extrem gut erhalten, so gut, dass Nase, Fell und Zähne des Tieres aussehen, als wäre es erst vor wenigen Tagen gestorben. Ein Team von Wissenschaftlern aus Russland und Schweden untersuchte die Überreste eingehend, um Details über Alter, Geschlecht und Zeitpunkt der Hundedomestizierung herauszufinden. Mit Hilfe der 14C-Datierung bestimmten die Experten, dass der Welpe vor etwa 18.000 radiometrischen Jahren gelebt haben muss. Eine 2016 veröffentlichte genetische Studie zeigte, dass sich Wölfe und Hunde vor 11.000 bis 16.000 Jahren voneinander getrennt haben (Freedman et al. 2016). Nach einer Studie aus dem Jahr 2017 sollen Hunde dagegen bereits vor 20.000 bis 40.000 Jahren domestiziert worden sein (Botigué et al. 2017). Nach beiden Studien wäre der tiefgefrorene sibirische Welpe einer der ersten Hunde gewesen. Damit bietet der Welpe perfektes Probenmaterial, um das Erbgut dieses sehr frühen Zeitpunkts des Übergangs vom Wolf zum Hund zu untersuchen. Sowohl Hunde als auch Wölfe haben ihre eigenen spezifischen genetischen Kennzeichen, die sich leicht in genetischen Analysen nachweisen lassen. So wurde schon festgestellt, dass der Welpe männlich ist. Trotz umfangreicher DNA-Tests konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden, ob das Tier ein Hund oder ein Wolf war. Das ist sehr überraschend, denn normalerweise ist es relativ einfach, den Unterschied zwischen den beiden Arten zu erkennen. David Stanton, einer der beteiligten paläogenetischen Experten, erklärt es wie folgt: „Wir haben bereits viele Daten, und bei dieser Datenmenge wird man erwarten, dass man erkennt, ob es sich um einen Wolf oder einen Hund handelt. Die Tatsache, dass wir das nicht können, könnte darauf hindeuten, dass der Welpe aus einer Population stammt, die sowohl für Hunde als auch für Wölfe der Stammvater war.“
Hunde und Wölfe scheinen von einem Vorfahren abzustammen, der genetische Marker für Wölfe und Hunde hat, aber nicht als Wolf oder Hund bezeichnet werden kann. Es muss eine genetische Mischung beider Arten gewesen sein, die heutzutage nicht mehr existiert. Die Tatsache, dass es umso schwieriger ist, zwischen Arten oder Rassen zu unterscheiden, je weiter man in der Zeit zurückgeht, steht im Einklang mit der Grundtypenlehre.
P. Borger
[Botigué LR, Song S et al. (2017) Ancient European dog genomes reveal continuity since the Early Neolithic. Nat. Comm. 8:16082 • Freedman AH, Lohmueller KE & Wayne RK (2016) Evolutionary history, selective sweeps, and deleterious variation in the dog. Annu. Rev. Ecol. Evol. Syst. 47, 73–96 • Litvinova D & Kutukov R (2019) Russian scientists present ancient puppy found in permafrost. https://apnews.com/9fc66ba009db4a19a79c6f3369569f77 • Page ML (2019) Dogs evolved a special muscle that lets them make puppy dog eyes. New Scientist, No. 3235, https://www.newscientist.com/article/2206696-dogs-evolved-a-special-muscle-that-lets-them-make-puppy-dog-eyes/]