Mit großen Augen – neue fossile Augenfliegen

Abb. 1: Eine heutige Augenfliege mit den charakteristisch großen Facettenaugen. (© Nikola Rahmé, Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung) 
Abb. 2: Bisher größte bekannte fossile Augenfliege Metanephrocerus belgardeae. (© S. Bruce Archibald, Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung)
Augenfliegen (Pipunctulidae) sind durch ihre auffällig großen, fast den gesamt Kopf einnehmenden Augen charakterisiert. Die Weibchen legen nach dem Paarungsflug ihre Eier als Parasiten (Endoparasiten) in Wirten, meist Zikaden ab. Etwas mehr als 1400 Arten sind beschrieben (etwa 110 davon kommen in Deutschland vor) und weitere ca. 1300 werden – noch nicht wissenschaftlich erfasst – vermutet. Über die Vergangenheit der Augenfliegen weiß man aus der Fossilüberlieferung vergleichsweise wenig. Bisher sind 12 Einschlüsse in Bernstein und 5 Fossilien als Abdrücke (compression fossils) dokumentiert.
Aufgrund genetischer Studien wird das Alter für den Beginn der Entfaltung dieser Familie der Zweiflügler (Diptera) mit ungefähr 70 Millionen Jahren angegeben (Wiegemann et al. 2011). Christian Kehlmaier vom Senckenberg Museum in Dresden hat nun gemeinsam mit Kollegen in zwei Veröffentlichungen drei fossile Augenfliegen beschreiben. Zwei als Einschlüsse in Baltischem Bernstein erhaltene Formen konnten sie mit computertomographischen Methoden (Micro-CT) sehr genau untersuchen und beschreiben. In einer Pressemitteilung der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung wird Kehlmaier mit folgenden Worten zitiert: „Das sind schon ganz besondere Details, die wir an den etwa 40 bis 50 Millionen Jahre alten Tieren zeigen konnten“, um dann fortzufahren: „Die Lebensweise und das Aussehen der Augenfliegen haben sich vor 70 Millionen Jahren entwickelt. Die nun neu beschriebenen fossilen Arten lassen vermuten, dass schon relativ kurz nach der Etablierung der großäugigen Tiere ein reichhaltiges Artenspektrum existiert haben muss, das dem heutigen in keiner Weise nachsteht.“ Befunde dieser Art werden vor allem bei Inklusen in fossilem Harz regelmäßig angetroffen.
Bei der Interpretation der Fossilfunde im evolutionstheoretischen Deutungsrahmen muss häufig ein schnelles Auftreten angenommen werden, dem nur noch vergleichsweise geringe Änderungen folgten.
H. Binder
[Archibald SB, Kehlmaier C & Mathewes RW (2014) Early Eocene big headed flies (Diptera) from the Okanagan Highlands, Western North America. Can. Entomol., doi: 10.4039/tce.2013.79; Kehlmaier C, Dierick M & Skevington JH (2014) Micro-CT studies of amber inclusions reveal internal genitalic features of big-headed flies, enabling a systematic placement of Metanephrocerus Aczél 1948 (Insecta: Diptera: Pipunculidae). Arthropod Systematics & Phylogeny 72, 23-36; Wiegmann BM, Trautwein MD et al. (2011) Episodic radiation in the fly tree of life. Proc. Natl. Acad. Sci. 108, 5690-5695.]