Neues vom Birkenspanner

Der Birkenspanner (Biston betularia) ist wohl eines der berühmtesten Lehrbuchbeispiele für beobachtete Evolution und speziell für das Wirken der Selektion. Seine dunkle Form (als carbonaria bezeichnet) war ab Mitte des 19. Jahrunderts beobachtet worden. Sie nahm im Zuge der Industrialisierung und der damit verbundenen Umweltverschmutzung erheblich zu und löste die hellen Formen (typica) zeitweise in einigen Regionen weitgehend ab. Nach 1950 drehte sich der Trend wieder um. Ende der 1990er Jahre gab es einige Diskussionen um diesen Falter. Denn es stellte sich heraus, dass die Ursachen für die Ausbreitung der dunklen Form und die Selektionsbedingungen komplexer sein müssen als zuvor angenommen (Majerus 1998, Coyne 1998, vgl. Stud. Int. Journal 6 (1999), 97; ).

Unklar war bisher nach wie vor die genetische Basis für den Unterschied zwischen dem Wildtyp (helle Form) und der dunklen Form. Waren Mutationen, die zur carbonaria-Form führten, erst in jüngerer Zeit aufgetreten, wieviele Mutationen liegen zugrunde und sind sie mehrfach unabhängig aufgetreten? Eine von van’t Hof et al. (2011) publizierte Genanalyse kam nun zum Ergebnis, dass alle dunklen Formen dasselbe Allel des betreffenden Gens besitzen und dass es erst in jüngerer Zeit entstanden ist und starker Selektion ausgesetzt war. Damit scheint geklärt zu sein, dass die dunkle Form nur einmal entstanden ist und sich unter den sich verändernden Umweltbedingungen des 19. Jahrhunderts in England und auf die Isle of Man schnell ausbreiten konnte.

R. Junker

[Coyne JA (1998) Not black and white. Nature 396, 35-36; Majerus MEN (1998) Melanism: Evolution in action. Oxford; Van’t Hof AE, Edmonds N, Dalíkova M, Marec F & Saccheri IJ (2011) Industrial Melanism in British Peppered Moths Has a Singular and Recent Mutational Origin. Science 332, 958-960.]