Vielfalt durch Kombination weniger Gene

Abb. 1: Kurzbeiniger Welsh Corgi („Walisischer Zwerghund“). (GNU Freie Dokumenationslizenz)

Viele Hunderassen sind in wenigen hundert Jahren entstanden. Woher kommt ihre große Vielfalt? Vor einigen Jahren konnte gezeigt werden, dass ein einziges Gen, Igf-1 (insulin-like growth factor 1), eine entscheidende Bedeutung für die Körpergröße der Hunde hat (Check 2006). Wir hatten darüber in Studium Integrale Journal berichtet (). Parker et al. (2009) fanden bei einer Untersuchung von 835 Hunden aus 76 Rassen heraus, dass das Retrogen fibroblast growth factor 4 (fgf4) eng mit der Ausbildung kurzer Beine (Chondrodysplasie) gekoppelt ist, die für mindestens 19 Hunderassen charakteristisch ist wie z. B. Dackel, Pekinese, Basset oder Corgi (vgl. Abb. 1). Retrogene entstehen durch Retrotransposition verdoppelter Gene. (Dabei wird RNA in DNA zurückübersetzt und diese an einer neuen Stelle im Erbgut eingebaut.) Die Autoren schließen aus ihren Untersuchungen, dass ein einzelnes evolutionäres Ereignis einen großen Einfluss auf die Richtung der phänotypischen (gestaltlichen) Vielfalt beim Haushund haben kann.

In einer weiteren Studie untersuchten Cadieu et al. (2009) die genetischen Grundlagen der Variation der Fellfarbe und Fellbeschaffenheit an 1000 Hunden aus 80 Rassen. Sie identifizierten drei Gene (RSPO2, FGF5 unnd KRT71), die für die Mehrzahl der Farbmuster des Fells und Fellbeschaffenheit wie Länge und Kräuselung verantwortlich sind. Ein großer Teil der Variation kann demnach durch Kombination weniger Gene erzeugt werden.

Beide neuen Studien stützen die Hypothese, dass eine relativ geringe Anzahl von Genen ein großes Ausmaß an Variation ermöglichen kann. Diese Befunde lassen sich auch durch eine Vorprogrammierung von Variation durch Kombination und Mutation deuten.

R. Junker

[Cadieu E, Neff M et al. (2009) Coat variation in the domestic dog is governed by variants in three genes. Science 326, 150-153; Check E (2006) One gene between tiny dogs and giant ones? http://www.nature.com/news/2006/061009/full/061009-12.html; Parker, GH, VonHoldt BM et al. 2009. An expressed Fgf4 retrogene is associated with breed-defining chondrodysplasia in domestic dogs. Science 325, 995-998.]