Immer wieder neue Zweifel: Sind Dinosaurier Vorfahren der Vögel?

Schon mehrfach äußerten Paläontologen die Auffassung, dass die Abstammung der Vögel von Theropoden-Dinosauriern definitiv gesichert sei. Dennoch kommen kritische Stimmen nicht zur Ruhe (vgl. die Streiflichter in Studium Integrale Journal 16 [2009], 118f.). So wurden immer wieder konstruktive Gründe gegen die Möglichkeit eines Umbaus genannt. Kritik kommt nun aber auch aufgrund einer umfangreichen cladistischen Analyse. Dabei werden möglichst viele Merkmale verschiedener Arten analysiert und daraus computergestützt ein möglichst widerspruchsfreies Cladogramm erstellt. Ein Cladogramm kann auch als „Ähnlichkeitsbaum“ bezeichnet werden. Dabei gilt das Sparsamkeitsprinzip, d. h. das Cladogramm, welches die wenigsten Merkmalswidersprüche aufweist, gilt als die wahrscheinlichste Widerspiegelung der tatsächlichen Abstammungsverhältnisse. Die Cladogramme selber sind allerdings nur Darstellungen von Ähnlichkeitsbeziehungen, die nicht notwendigerweise Abstammungsverhältnisse widerspiegeln.

James & Pourtless (2009) stellen in Frage, ob die Hypothese der Abstammung der Vögel von der Theropoden-Untergruppe der Maniraptora wirklich so „überwältigend gesichert ist wie manche behaupten“. Sie unterzogen 46 Taxa und 208 Merkmale einer erneuten Analyse und prüften fünf evolutionäre Hypothesen anhand ihrer Ergebnisse. Drei Hypothesen erwiesen sich dabei als nahezu gleich gut durch die Daten unterstützt, nämlich die allgemein bevorzugte Abstammung von den Theropoden, die Abstammung der Vögel von den Archosauriern und die Abstammung von den Crocodylomorphen. Einige Untergruppen der Theropoden (Oviraptorosaurier, Dromaeosaurier, Troodontiden) sind möglicherweise sekundär flugunfähige Vögel. Die Autoren sind weiter der Auffassung, dass den Unsicherheiten über die Hypothese, dass die Vögel von Maniraptora-Theropoden abstammen, nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet würde. Für die Verbindung Theropoden – Vögel gelten cladistische Analysen als eines der wichtigsten Argumente. Dieses ist mit der Untersuchung von James & Pourtless in Frage gestellt. Die Alternativen haben allerdings mit dem Problem zu kämpfen, dass die als Vorläufer der Vögel am ehesten passenden Formen gleichsam viel zu früh in der Fossilabfolge überliefert sind, so dass zwischen diesen und den ersten Vogelfossilien eine große zeitliche Lücke klafft (Luskin 2009).

Für manche Paläontologen ist angesichts dieser Unsicherheiten und Mehrdeutigkeiten also offen, von welcher Ausgangsgruppe im Rahmen des Evolutionsparadigmas die Vögel abzuleiten sind. Dass es Vorfahren unter irgendeiner Reptiliengruppe geben muss, wird damit natürlich nicht in Frage gestellt. Die Merkmalsverteilungen ergeben aber offenbar in jedem Fall ein widersprüchliches Bild, das heißt jede Hypothese erfordert die Annahme zahlreicher Konvergenzen, also das unabhängige Auftreten ähnlicher Merkmale. Diese können für sich alleine genommen keine sicheren Indizien für gemeinsame Abstammung sein.

R. Junker

[James FC & Pourtless IV JA (2009) Cladistics and the Origin of Birds: A Review and Two New Analyses. Ornithological Monographs 66, 1-78, doi:10.1525/om.2009.66.1.1; Kommentar aus evolutionskritischer Perspektive: Luskin C (2009) Old Theories Die Hard: Birds-Evolved-From-Dinosaurs Hypothesis Takes Big Hits With Two Recent Papers. www.evolutionnews.org/2009/06]