Unappetitliche Tarnung

Abb. 1: Papilio xuthus, ein Verwandlungskünstler, links als Vogelkot getarnt. (Foto: Haruhiko Fujiwara, Abdruck mit freundlicher Genehmigung)

Tarnung im Tierreich ist ein immer wieder spannendes Thema. Beliebt ist das Nachahmen von Pflanzenteilen wie Ästen oder Blättern. Eine sehr ausgefallene Art der Tarnung zeigen die Larven des japanischen Schwalbenschwanzes Papilio xuthus. Sie sehen in den ersten vier Phasen des Raupenstadiums wie Vogelkot aus, schwarz-weiß und klebrig, wie die Ausscheidungen eines Vogels (Abb. 1). Erst wenn die Raupen so groß sind, dass diese Tarnung ihre Überzeugungskraft verliert, färbt sie sich grün wie die Blätter, auf denen sie lebt; sie sieht dann aus wie ein hellgrünes, gerolltes Blatt.

Damit kann sich die Larve des japanischen Schwalbenschwanzes nicht nur genial tarnen, sondern ist auch noch eine regelrechte Verwandlungskünstlerin. An den Metamorphosen (Verwandlungen) ist das Juvenilhormon beteiligt. Vor der Wandlung zum Blattimitat nimmt seine Konzentration stark ab (Futahashi & Fujiwara 2008). Durch die Zugabe eines Hormonersatzes blieb die Vogelkot-Tarnung teilweise bestehen. Beispiele wie diese drängen in besonderem Maße die Frage auf, woher die Programme für solche Formen, Farben und das dazugehörende Timing kommen.

R. Junker

[Futahashi R & Fujiwara H (2008) Juvenile hormone regulates butterfly larval pattern switches. Science 319, 1061.]