Spinn-Rad oder Hat die Spinne das Rad erfunden?

Abb. 1: Die Spinne, die ein Rad schlagen kann: Cebrennus. (TU Berlin/Pressestelle, Abdruck mit freundlicher Genehmigung)
Ingo Rechenberg, Professor für Bionik an der TU Berlin und Wüstenfan, hat bei einem seiner jüngsten Wüstenaufenthalte in der Sahara eine Spinne der Gattung Cebrennus (Abb. 1) entdeckt, die sich nicht nur spinnenüblich auf vier Beinpaaren fortbewegt. Diese zur Familie der Riesenkrabbenspinnen (Sparassidae) gehörende Art kann ihre Beine radartig formen und dann über den Wüstensand rollen. Dies kann sie nach bisherigen Beobachtungen nicht nur passiv – eine Düne hinab –, sondern sie kann sich auch aktiv radartig „rollend“ fortbewegen. Passive Rollbewegungen waren bereits von der zur selben Familie gehörenden Goldenen Radspinne (Carparachne aureoflava) aus der Namib-Wüste (Südwest Afrika) beschrieben. Ob es sich bei der von Rechenberg gefundenen Spinne um eine neue Spinnenart handelt, ist noch nicht geklärt.
Die Beantwortung der Frage, wer nun das Rad erfunden hat, ist durch diese Entdeckung nicht einfacher geworden, aber es hat sich wieder einmal gezeigt, dass in der Natur faszinierende Erscheinungen auftreten, die für die Ingenieurskunst eine Herausforderung darstellen. Rollende Fortbewegung kann unter bestimmten Randbedingungen eine vergleichsweise energiesparende Fortbewegungsweise sein.
Der Bioniker Rechenberg denkt bereits über Vehikel, die sich laufend und rollend fortbewegen können, nach, z.B. für den Einsatz auf dem Mars. Wieder einmal wurde in der Natur ein geniales Phänomen entdeckt, das zur Nachahmung herausfordert.
H. Binder
[www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal/ein-blick_fuer_journalisten/wer_hat_das_rad_erfunden (dort sind auch weitere Bilder und Videomaterial abgelegt); http://idw-online.de/pages/de/news287828]