Hinweis auf frühere Mars-große Objekte im Asteroidengürtel
Die meisten Meteoriten (Gesteinsbrocken aus dem All) enthalten Hinweise auf hochenergetische Ereignisse in der Vergangenheit. Chondrulen, mm-große Kügelchen aus geschmolzenen Silikaten, spielen eine Schlüsselrolle zum besseren Verständnis dieser Ereignisse.
Bislang wurde generell angenommen, daß diese Chondrulen in der frühen Phase der Entstehung des Sonnensystems bei mehrmaligem Erhitzen durch die Kompression in Stoßwellen entstanden sind. Wäre dies der Fall, würde man sowohl sehr hohe radiometrische Alter als auch Überlagerungen von Chondrulen erwarten. Letzteres, weil schon früher gebildete Chondrulen immer wieder teilweise erneut geschmolzen und gefroren sein würden.
Krot et al. (2005) berichten nun in Nature Letters von Chondrulen, die eindeutig jüngeren Datums sind und bei denen auch die Überlagerungen fehlen. Die Autoren kommen zu dem Schluß, daß diese Chondrulen unmöglich in der primordialen Gaswolke gebildet sein konnten. Stattdessen werten sie den Befund als Hinweis auf Kollisionen im Asteroidengürtel. Aus den zur Bildung der Chondrulen benötigten extremen Druck- und Temperaturbedingungen leiten die Autoren weiter ab, daß es im Asteroidengürtel zum Zeitpunkt der Entstehung der Chondrulen Körper in der Größe von Mars gegeben haben muß. Gegenwärtig gibt es keine solchen Objekte im Asteroidengürtel.
Die Chondrulen sind damit ein indirekter Hinweis, daß der Asteroidengürtel früher viel größere Objekte enthalten haben muß. Diese wären dann später durch Resonanzen mit Jupiter und Saturn aus dem Asteroidengürtel entfernt worden.
PK
[Krot AN, Amelin Y, Cassen P & Meibom A (2005) Young Chondrules in CB Chondrites from a giant impact in the early Solar System. Nature Letters, 436, 989.]