Panderichthys – Fisch mit Vierbeiner-Merkmalen?
Als tetrapodenähnlichster Fisch (Tetrapoden = Vierbeiner) unter den devonischen Quastenflossern gilt die Gattung Panderichthys (Abb. 1). Obwohl diese gut 1 m lange Gattung eindeutig ausschließlich wasserlebend war, werden viele Merkmale als tetrapodenartig eingestuft, z. B. das relativ stabile Schädeldach, manche Merkmale im Bau der Schwanzflosse oder die Existenz von nur zwei paarigen Flossen (andere Quastenflosser besitzen weitere Flossen, die bei Panderichthys spurlos und übergangslos fehlen). Andere Merkmale von Panderichthys passen jedoch weniger gut in eine Vorläuferposition in Richtung Vierbeiner im Vergleich zu ihrer Ausprägung bei anderen Quastenflossern wie z. B. dem berühmten Eusthenopteron. Dies trifft vor allem auf das wichtige Merkmal des Baus der Extremitäten zu. Immerhin handelt es sich dabei um eines der Schlüsselmerkmale für den Übergang von Wasser an Land. Die Panderichthys-Flosse ist der Tetrapoden-Extremität weniger ähnlich als die Flosse von Eusthenopteron, das sonst aber den Tetrapoden weniger gleicht als Panderichthys.

Abb.1: Panderichthys. (Nach Clack 2002)
In einer Ende 2005 veröffentlichten Studie beschreibt Catherine Boisvart vom Evolutionary Biology Centre in Uppsala erstmals die fossilen Reste des Beckengürtels und der Hinterflosse von Panderichthys. Letztere erwies sich als noch weniger tetrapodenartig als die Vorderflosse. Beim Tetrapoden Acanthostega, der am ehesten als passender evolutiver Nachfahr von Panderichthys gilt, sind die Verhältnisse genau umgekehrt (Vorderbeine „primitiver“ als Hinterbeine). Und der Beckengürtel ist sogar weniger tetrapodenartig als der von Eusthenopteron, stellt die Autorin fest. Der Beckengürtel ist zudem mit 3,5 cm Länge (knapp 4% der Länge von Kopf bis Becken) schwächer ausgebildet als bei Eusthenopteron (5% der Kopf-Becken-Länge; der entsprechende Wert des etwa gleichalten oberdevonischen wasserlebenden Vierbeiners Acanthostega beträgt 7%). Die Knochenelemente der Hinterflosse stehen sehr dicht aneinander, was für geringe Gelenkigkeit spricht. Die Flossen zeigen insgesamt keine charakteristischen Merkmale von Vierbeinern.
Die Autorin stellt fest, daß der Übergang des Schwerpunkts der Fortbewegung von der Vorder- auf die Hinterflosse der am schlechtesten dokumentierte Teil des Übergangs vom Wasser ans Land und nicht direkt durch Übergangsformen belegt sei. Bei Panderichthys sei im Gegensatz zu den Tetrapoden noch klar der Antrieb durch die Vorderextremitäten dominant gewesen.
Übrigens passt Panderichthys in der Schichtenabfolge nicht in die Abfolge Eusthenopteron – Tetrapoden, da er in älteren Schichten als Eusthenopteron gefunden wurde (Clack 2002, 48).
RJ
[Boisvert CA (2005) The pelvic fin and girdle of Panderichthys and the origin of tetrapod locomotion. Nature 438, 1145-1147; Clack JA (2002) Gaining Ground. The origin and evolution of Tetrapods. Bloomington and Indianapolis; Junker R (2004) Vom Fisch zum Vierbeiner – eine neue Sicht zu einem berühmten Übergang. Teil 1: Überblick und tetrapodenartige Fische des Oberdevons. Stud. Int. J. 11, 3-10.]