Entzückender Dinorücken
Unter den Dinosauriern gehören sie zu den Popstars – die Stegosaurier mit ihren ungewöhnlichen doppelreihigen aufrechten Rückenplatten. Über deren Funktion wurde viel spekuliert, ohne zu sicheren Erkenntnissen zu gelangen. Nach einer interessanten Vorstellung sollte es sich um eine Art von „Sonnenkollektoren“ handeln, die zur Regulation der Körperwärme eingesetzt wurden. Auffällige Kanäle in den Knochenplatten, die möglicherweise von großen Blutgefäßen durchzogen waren, schienen diese Idee zu stützen.
Untersuchungen von Kevin Padian von der Universität von Kalifornien in Berkeley und seinen Kollegen stützen diese Hypothese jedoch nicht. Sie studierten die innere Knochenstruktur der Platten unterschiedlicher Stegosaurierarten und stellten dabei fest, daß die Röhren häufig blind enden, was gegen die Deutung als Blutgefäße spricht.

Abb.1: Die Platten des Stegosaurus: doch keine Sonnenkollektoren?
Die Forscher halten es stattdessen für wahrscheinlich, daß die Rückenplatten nur den Zweck erfüllten, das Aussehen der Tiere prägnanter zu machen, damit die Tiere durch die Variation der Platten einander besser erkennen konnten, sowohl innerartlich als auch zwischenartlich. Mit anderen Worten: Die Platten sind individuell gestaltete Schmuckstücke. Über diese Funktion hinaus sehen die Autoren keine plausible funktionelle Erklärung für die Auswüchse. Hypothesen, wonach die knochigen Platten zum Schutz dienten oder eine Rolle bei der Partnersuche gespielt könnten, hält Padian für wenig glaubhaft, weil die Knochenauswüchse insgesamt nicht besonders stabil waren und demnach als Panzer ungeeignet gewesen wären. Eine Funktion bei der Partnerwahl sei unwahrscheinlich, da kein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern festzustellen ist.
Die Erklärung, daß die Platten eine Rolle bei der Arterkennung gespielt haben, ist jedoch auch problematisch, denn der Aufwand dafür erscheint ungewöhnlich hoch und bezüglich der Beweglichkeit nachteilig zu sein. Welche Selektionsbedingungen könnten daher eine solche Struktur gefördert haben? So wie Padian und Mitarbeiter die Funktion der Platten darstellen, erwecken sie den Eindruck eines spielerischen Designs. Für dergleichen sind ungerichtete Evolutionsmechanismen allerdings nach allem, was wir wissen, blind. Das letzte Wort über die Funktion der Platten dürfte noch nicht gesprochen worden sein.
RJ
[Main RP, de Ricqlès A, Horner JR & Padian K (2005) The evolution and function of thyreophoran dinosaur scutes: implications for plate function in stegosaurs. Paleobiology; 31; 291-314; siehe auch www.wissenschaft.de/wissen/news/253313.html; www.berkeley.edu/news/media/releases/2005/05/16_stego.shtml] RJ.