Alte Termitenfresser

Abb.1: Rekonstruktion von Fruitafossor windscheffeli (Holotype: LACM 150948) als grabendes Säugetier. Die schattierten Teile sind fossil erhalten. (Aus Luo & Wible 2005, Abdruck mit freundlicher Genehmigung)
An heutige termitenfressende Gürteltiere und Erdferkel erinnert ein Säugerfossil aus dem Oberjura (der Zeit, aus der man den berühmten Urvogel Archaeopteryx kennt). Es lag längere Zeit unbeachtet im Archiv eines Museums, bis vor kurzem seine Bedeutung erkannt wurde. Merkmale des Gebisses sowie die Grabbeine weisen bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit den heutigen Termitenfressern auf. Fruitafossor windscheffeli (Abb. 1), der nach dem Entdecker Wally Windscheffel benannte „Gräber von Fruita“ (Stadt in Colorado) ist jedoch in viel älteren Schichten gefunden worden als alle Gürteltier- und Erdferkelverwandten, die ab dem Eozän (50 Milionen Jahre) bekannt sind. Da andere Merkmale gegen eine nähere Verwandtschaft sprechen, muß eine unabhängige Entstehung der speziellen Merkmale angenommen werden (Konvergenz). Fruitafossor ist ein weiteres Beispiel eines ursprünglichen Säugetiers mit sehr spezialisierten Merkmalen. Es besitzt zudem auch einzigartige Merkmale im Unterkieferbereich. Ebenso wie andere frühe Säuger weist dieses Fossil keine durchgängige „Primitivität“ auf (vgl. Junker & Scherer 2001, 230f.).
RJ
[Junker R & Scherer S (2001) Evolution – ein kritisches Lehrbuch. Gießen; Luo ZX & Wible JR (2005) A late Jurassic digging mammal and early mammalian diversification. Science 308, 103-107.]