Fächerflügler – selten zu sehen, jetzt wieder in Bernstein
Fächerflügler (Strepsiptera) sind Insekten mit einem merkwürdigen Parasitismus. Ihren Namen haben sie aufgrund ihrer Flügelfaltung erhalten (gr.: strepsein = drehen, hin und her wenden; pteron = Flügel, Feder). Die heutigen Vertreter weisen eine Körperlänge von 2-6 mm auf. Bisher sind ca. 600 Arten wissenschaftlich beschrieben, vermutet werden aber mehr als 2000 Arten.
Die meisten Fächerflügler leben endoparasitisch (d. h. im Innern ihrer Wirte) in verschiedenen Insekten, häufig Hymenoptera (Ameisen, Wespen, Bienen u.a.) und Orthoptera (Heuschrecken, Grillen, Gottesanbeterinnen u.a.). Typischerweise verbleiben die Weibchen zeitlebens in ihrem Wirt und zeigen nach außen nur ihr Vorderende. Die geschlechtsreifen Männchen fliegen für wenige Stunden und suchen die infizierten Wirte auf, um die Weibchen zu begatten. Dabei orientieren sie sich an von den Weibchen ausgeschütteten Sexuallockstoffen (Pheromonen). Bisher wurden 21 fossile Fächerflügler beschrieben (bis auf eine Ausnahme männliche Exemplare), die meisten davon als Bernsteineinschlüsse.
Den jüngsten Beitrag lieferten Pohl et al. (2005). Sie beschreiben ein mit 8 mm auffallend großes Exemplar, das in Baltischen Bernstein eingeschlossen ist. Der als Protoxenos janzeni benannte Fächerflügler weist als eine auffällige Besonderheit vollständig ausgebildete Mundwerkzeuge (Labrum, Maxillen, Labrum) auf. Bei den meisten heutigen Arten sind diese entweder nur sehr schwach ausgebildet oder fehlen ganz.
Nach bisherigen Beobachtungen an heute lebenden Exemplaren nehmen die geschlechtsreifen Männchen typischerweise keine Nahrung auf. Sie nutzen die wenigen Stunden ihres Lebens, um geschlechtsreife Weibchen in den befallenen Wirtsorganismen anzufliegen und zu begatten, danach sterben sie.
Könnte der Befund, daß die neuentdeckte fossile Form komplette Mundwerkzeuge besaß, als Hinweis interpretiert werden, daß Parasitismus als abgeleitetes Phänomen verstanden werden kann, daß also die Vorläufer der heutigen Parasiten ursprünglich völlig unabhängig von Wirten lebensfähig und nicht auf deren Stoffwechselprodukte angewiesen waren?
HB
[Pohl H, Beitel RG & Kinzelbach R (2005) Protoxenidae fam. Nov. (Insecta, Strepsiptera) from Baltic amber – a ‘missing link’ in strepsipteran phylogeny. Zoologica Scripta 34, 57-69.]