„Schimporilla“, „Goripansen“ oder
neue Menschenart im Kongo?
Laut britischem Wissenschaftsmagazin New Scientist vom 9. Oktober 2004 wurden in der Demokratischen Republik Kongo in den abgelegenen Waldgebieten der nördlichen Region um Bondo und Bili Affen mit einer Größe von bis zu zwei Metern entdeckt. Die Primatologin Shelly Williams vom Jane-Goodall-Institut in Maryland ist die einzige Forscherin, die die Affen gesehen hat. Bislang ist unklar, zu welcher Art sie gehören. Ihr Äußeres und ihr Verhalten scheinen „zwischen“ Schimpanse und Gorilla zu liegen. Möglicherweise handelt es sich um eine bislang unbekannte Menschenaffenart oder -unterart.
Beim ersten Sichtkontakt verzogen sich die Affen leise, als sie das Team sahen, ähnlich wie es Schimpansen tun. Ein Gorilla-Männchen würde dagegen eher einen lautstarken Angriff starten. Mit diesem hat die mögliche neue Form aus dem Kongo jedoch körperliche Merkmale gemein: ein schwarzes Gesicht und ein großer Scheitel- und Nackenkamm. Die Tiere werden bis zu zwei Meter groß und haben ein Gewicht von schätzungsweise 85 bis 100 Kilogramm. Das bringt sie in die Größenkategorie der Gorillas. Aber die Region liegt 500 Kilometer von den bekannten Lebensräumen der Gorillas entfernt. Wie Gorillas legen die kongolesischen Affen offenbar Schlafnester auf dem Boden an, doch benutzen sie diese im Gegensatz zu ihnen mehrfach. Nahrungsreste, die man aus einem der Nester bergen konnte, ließen auf den Speiseplan der Primaten schließen. Er besteht hauptsächlich aus Früchten und weniger aus Blattwerk wie bei den Gorillas. Auch bezüglich Körperbau und Schädelmerkmalen gleichen sie eher sehr großen Schimpansen.
Es gibt drei mögliche Erklärungen für die interessante Merkmalsmischung der Tiere: Die Tiere könnten „Riesen-Schimpansen“ sein, die sich Gorilla-artig verhalten, oder sie sind Hybriden aus beiden Arten, oder aber es handelt sich um eine bisher nicht bekannte Spezies, was als die grandioseste zoologische Sensation seit vielen Jahren angesehen würde.
Eine Hybridform wäre meiner Meinung nach jedoch mindestens genauso interessant, auch wenn eine solche Möglichkeit von einigen Wissenschaftlern angezweifelt wurde, weil der Schimpanse (Pan) dem Menschen genetisch etwas näher stehe als dem Gorilla (wobei die morphologischen Ähnlichkeiten jedoch offensichtlich Pan und Gorilla verbinden). Sollte es sich tatsächlich um einen Hybriden in freier Wildbahn handeln, so würde dies die Bedeutung der genetischen Ähnlichkeit weitgehend abschwächen, anhand derer man Pan näher zu Homo gruppieren will.
SHS
[Young E (2004) The beast with no name. New Scientist 9 Oct 2004, pp 33-35]