Neue Macaca-Art aus großer Höhe
mit ungewöhnlicher Merkmalskombination
Bei den Rhesusaffen ist seit über 100 Jahren erstmals wieder eine neue Art entdeckt worden. (Die letzte Entdeckung glückte auf der Indonesischen Insel Mentawai im Jahr 1903.) Die Gattung Macaca besitzt damit 21 Arten, wobei 20 in Asien vorkommen. Die Rhesusaffen wiederum gehören zusammen mit 8 anderen Gattungen – am bekanntesten sind die Meerkatzen und die Pavianartigen –, zum Grundtyp der Meerkatzenartigen (Cercopithecinen), der mehr als 40 Arten umfaßt (Hartwig-Scherer 1993). Die neue Art wurde Arunachal-Makake genannt, nach dem Gebiet von Arunachal Pradesh im Himalaya, wo sie gesichtet wurde. Der lateinische Name Macaca munzala bedeutet Tiefer-Wald-Affe (mun zala; Sprache der Dirang Monpa-Leute). Dieses Jahr wird über diesen Fund eine Veröffentlichung im International Journal of Primatology erscheinen.
Die zufällige Entdeckung, die durch eine wissenschaftliche Expedition in unerforschten Gebieten und großen Höhen gelang, war eine große Überraschung: Im bevölkerten Indien hatte man als letztes eine Neuentdeckung eines großen Säugers erwartet. Die neue Rhesusaffenart trägt am Kopf ein recht dunkles Fell und mitten auf der Stirn einen auffälligen fahlgelben Fleck. Ihr Schwanz ist recht stämmig. Ihre Merkmale sind eine Kombination zweier Arten, nämlich vom Asam-Makaken (Macaca assamensis) und Tibet-Makaken (Macaca thibetana; der englische Name „stumptail macac“ weist auf den kräftigen stumpfen Schwanz hin, den die neue Art ebenfalls trägt). M. D. Madhusudan, ein Ökologe der Nature Conservation Foundation in Mysore, und Kollegen gehen jedoch davon aus, daß es weder eine Unterart noch eine Hybridform ist, da beide Elternarten nicht zusammen in der Gegend vorkommen. Auf jeden Fall handelt es sich nicht um einen Einzelfund, da man eine vergleichsweise große Ansammlung dieser Makaken über 1200 Quadratkilometer verteilt identifizieren konnte. Das besondere ist, daß diese Art zwischen 2000 und 3500m Höhe lebt und damit zu den wenigen Säugern gehört, die in den höchstgelegenen besiedelbaren Gebiete überhaupt vorkommen. Das Auftauchen von Merkmalen in verschiedenen Arten paßt gut zur Vorstellung, daß im Grundtyp der Genpool mit den wesentlichen Merkmalen bereits vorhanden ist (Polyvalenz), und sich durch die bekannten Variationsmechanismen (Selektion, Isolation, Gendrift u.a.) in verschiedenen Arten und Gattungen unterschiedlich manifestiert.
SHS
[http://www.sciam.com/media/struct/trans.gif; Hartwig-Scherer S (1993) Hybridisierung und Artbildung bei den Meerkatzenartigen (Primates, Cercopithecoidea). In: Scherer S (ed) Typen des Lebens, Berlin, S. 245-257]