Sehr heiße Jupiter

Vor 1995 war unser Sonnensystem das einzige bekannte Beispiel eines Systems, in dem Planeten um einen Stern kreisen. Das führte zur Überzeugung, daß sonstige (bis dahin noch hypothetische) Sonnensysteme im Wesentlichen die Eigenschaften unserer eigenen haben würden – innen kleine, felsige Planeten und außen Gasriesen. Die Entdeckung von inzwischen über 100 sogenannten Exoplaneten hat dieses Bild schwer getroffen. Es wurden viele Beispiele bekannt, die völlig aus diesem erwarteten Schema fielen: Gasriesen von der Größe von Jupiter umkreisten den Stern in einem Umlaufradius, der zehnmal kleiner war als der Umlaufradius unserer Erde. Diese Planeten erhielten den Namen „heiße Jupiter“. Nun wurden mit Hilfe der Transit-Methode (Abdunkeln des Sterns beim Durchgang eines Planeten) drei weitere Planeten gefunden, die den bisherigen Rekord bezüglich Umlaufszeit noch brechen und sich darum noch näher beim zentralen Stern befinden müssen, als man das von den anderen Beispielen kannte. Sie erhielten den Namen „sehr heiße Jupiter“. Basri (2004) schreibt: „Es ist weder klar, wie diese Planeten so nah zu ihren Sternen kommen konnten, noch wie lange sie dort bleiben konnten [...] Wir sind mit einem interessanten Rätsel zurückgelassen, welches für eine Lösung mehr Beobachtungen und Analyse erfordert. Entweder wurde eine neue, tückische Art von Falschsignalen für Transit-Untersuchungen entdeckt oder unsere Planetensystemtheorien müssen weiter ausgebaut werden.“

CK

[Basri G (2004) Too close for comfort. Nature 430, 24-25.]