Hat die Erde eine ungewöhnlich ruhige Umgebung?

Nach der allgemein anerkannten Ansicht ist unsere Sonne im Abstand von etwa 35-50 AE (Astronomische Einheit, Abstand der Erde zur Sonne) vom sog. Kuiper-Gürtel umgeben, der Staub und größere Objekte wie Kometen enthält. Die Gesamtmasse der Kometen, die bis 50 km Durchmesser haben können, wird auf etwa 0,1 Erdmassen geschätzt. Die Gesamtmasse der Staubteilchen ist klein, aber unsicher. Schätzungen belaufen sich auf Größenordnungen von einem Hunderttausendstel der Erdmasse.

Diese Konstellation wurde nun durch die Untersuchung des Sterns t-Ceti als wahrscheinlich untypisch entlarvt. t-Ceti ist ein sonnenähnlicher Stern in etwa 12 Lichtjahren Entfernung, dessen Alter auf etwa 10 Milliarden Jahren geschätzt wird. Es ist nun gelungen, um diesen Stern eine Staubschicht zu beobachten in etwa derselben räumlichen Ausdehnung wie der Kuiper-Gürtel unserer Sonne, allerdings mit dem Unterschied, daß die Staubmasse insgesamt über 10 mal höher ist als in unserem Sonnensystem. Da Staub, der nicht in Planeten integriert ist, durch Strahlungsdrücke und andere Kräfte relativ leicht entfernt wird, muß er vor nicht langer Zeit neu gebildet worden sein. Die Bildung wird durch Kollisionen großer Kometen angenommen. Die hohe Staubmasse um t-Ceti legt nun eine Masse von Kometen nahe, die etwa 1,2 Erdmassen entspricht und somit viel höher ist als die Kometenmasse unseres Kuiper-Gürtels.

Die Ergebnisse von t-Ceti passen zudem zu den Beobachtungen eines weiteren erdähnlichen Sterns unserer Umgebung – e-Eri – der aber viel jünger geschätzt wird und etwa 20mal mehr Staub als t-Ceti aufweist. Die Menge des Staubes unseres Sonnensystems fällt damit deutlich unter die Erwartung aufgrund der beiden anderen Sterne. Dies legt im Rahmen der herkömmlichen Theorien eine spezielle Geschichte unseres Sonnensystems nahe, über die nur spekuliert werden kann. Bedeutender ist aber, daß die geringe Menge an Kometen in unserem Sonnensystem für eine ruhige Umgebung unserer Erde sorgt, während mögliche Planeten um t-Ceti einem deutlich höheren Bombardement großer Objekte ausgesetzt sind. In einer Pressemitteilung äußerte sich Projektleiterin Jane Greaves zu diesem Aspekt: „t-Ceti hat mehr als die zehnfache Menge von Kometen und Asteroiden als unser Sonnensystem. Wir wissen noch nicht, ob t-Ceti von irgendwelchen Planeten umkreist wird, aber wenn es der Fall ist, dann werden diese wahrscheinlich ein konstantes Bombardement von Asteroiden desselben Typs erleben, der für das Aussterben der Dinosaurier angenommen wird. Es ist unwahrscheinlich, daß bei so vielen Einschlägen das Leben die Möglichkeit hatte, sich zu entwickeln.“ Würden sich die bisherigen Beobachtungen der Umgebung der beiden Sterne auch bei weiteren Untersuchungen bestätigen, leben wir offensichtlich in einer ungewöhnlich ruhigen Umgebung – ideal für einen bewohnbaren Planeten.

CK

[Greaves JS, Wyatt MC, Holland WS & Dent WRF (2004) The debris disc around t Ceti: a massive analogue to the Kuiper Belt. MNRAS 351, 54-58. Pressemitteilung auf http:// www.spaceflightnow.com/news/n0407/05tauceti/]