Ostracoden-Fossil: Vom Silur bis heute unverändert?

Abb.1: Die Weichteilerhaltung eines fossilen Ostracoden (oben) zeigt detaillierte Ähnlichkeiten mit heute lebenden Formen (unten). (© David Siveter, Abdruck mit freundlicher Genehmigung)
In die große Zahl sogenannter „lebender Fossilien“ reiht sich ein unscheinbares Fossil aus der Gruppe der Ostracoden ein. Es wurde in einer silurischen Konservat-Fossillagerstätte im britischen Herefordshire gefunden, die auf 425 Millionen Jahre datiert wird. Wie aus Abb. 1 hervorgeht, gleicht dieses Fossil heutigen Formen im Detail (SIVETER et al. 2003). Nach evolutionstheoretischer Lesart sind also 425 Millionen Jahre an dieser Art spurlos vorübergegangen. Dieser Befund fügt sich gut in die allgemein geringen Raten evolutionären Wandels ein, die bei anderen Krebstieren bekannt sind (SIVETER et al. 2003, 1751).
Ostracoden sind kleine, zweischalige Krebstiere. Etwa 33.000 heute lebende oder fossile Formen sind aus dieser Gruppe bekannt; sie kommen im Meer, im Süßwasser und sogar an Land vor. Die Ostracoden sind die bei weitem häufigste Fossilgruppe unter den Gliederfüßern. Aufgrund ihrer Häufigkeit werden sie für die Biostratigraphie genutzt. Die ältesten bekannten Formen stammen aus dem Ordovizium (datiert auf ca. 500 Millionen Jahre). Das von SIVETER et al. (2003) beschriebene Fossil aus der Gattung Colymbosathon gehört zur Gruppe der Myodocopa und ist etwa 5 cm lang. Besonders bemerkenswert ist die Weichteilerhaltung, die sehr selten vorkommt und den genauen Vergleich mit heute lebenden Formen erlaubt.
Der Fund eines völlig modernen Ostracoden im Silur kollidiert darüber hinaus mit molekularen Daten, die für eine späte Entstehung der betreffenden Ostracodenfamilie sprechen (STOKSTAD 2003).
RJ
[SIVETER DJ, SUTTON MD, BRIGGS DEG & SIVETER DJ (2003) An ostracode crustacean with soft parts from the Lower Silurian. Science 302, 1749-1751; STOKSTAD E (2003) Gutsy fossil sets record for staying the course. Science 302, 1645.]