Der Schützenfisch – ein Rechenkünstler

Abb.1: Der Schützenfisch. (Zeichnung: Marion Bernhardt; nach einer Vorlage aus Schröpel 1986)

Eine ungewöhnliche Methode, seine Beute zu fangen, benutzt der Schützenfisch (Toxotes jaculatrix). Sie hat sich sogar in seiner Namengebung niedergeschlagen, denn „jaculatrix“ bedeutet „der Ausstoßende“. Der Schützenfisch spritzt nämlich einen kleinen Wasserstrahl von der Wasseroberfläche auf Insekten, die in der über dem Ufer hängenden Vegetation sitzen. Er trifft auf Entfernungen von über 1 m mit unglaublicher Sicherheit. Die Lichtbrechung und die Wellenbewegungen werden beim Zielen berücksichtigt. Die Fähigkeit des Schießens wird durch eine vergleichsweise bewegliche Zunge ermöglicht, die der Fisch gegen den Gaumen pressen kann. Im Gaumen befindet sich eine Rinne, die zusammen mit der Zunge eine Art Blasrohr bildet. Durch kräftiges Schließen der Kiemendeckel wird Wasser aus der Mundhöhle durch diese Röhre gepreßt.

Neuere Untersuchungen förderten nun weitere erstaunliche Fähigkeiten des Schützenfisches zutage. Er muß nämlich nicht nur treffen kennen, sondern auch schnell die Absturzstelle erreichen. Denn die heruntergeschossene Beute wird auch von hungrigen Konkurrenten begehrt. ROSSEL et al. (2002) haben in Aquariumsversuchen herausgefunden, daß der Schützenfisch auch berechnen kann, wo die abgeschossene Beute landen wird. Durch Videoaufnahmen konnten die Wissenschaftler nachweisen, daß sich der Fisch auf den Weg zur zu erwartenden Landestelle macht, noch bevor das Insekt die Wasseroberfläche berührt. Dabei ist Eile geboten, denn die lauernden Artgenossen reagieren genauso. Derartige Rechenkünste wurden bisher noch bei keiner anderen Tierart nachgewiesen. Man stellt unwillkürlich die Frage, wie die Fische diese mathematischen Künste erworben haben. Schließlich muß hinter dieser Fähigkeit durchaus anspruchsvolle Mathematik stecken.

RJ

[ROSSEL S, CORLIJA J & SCHUSTER S (2002) Predicting three dimensional target-motion: how archer fish determine where to catch their dislodged prey. J. Exp. Biol. 205, 33213326; SCHRÖPEL M (1986) Räuber und Beute. Leipzig]