Schrumpfende Eier nach Wegfall der Selektion
Bei in Gefangenschaft gehaltenen Lachsen werden nach wenigen Generationen die Eier deutlich kleiner zugunsten einer größeren Anzahl der Eier. Dies stellten Daniel HEATH und Mitarbeiter in Studien am Königslachs fest. Lachse werden wie manche andere bedrohte Tierarten in Gefangenschaft vermehrt, um damit die natürlichen Bestände zu unterstützen. Die Änderungen in Anzahl und Größe der Eier sind aber nur in der Gefangenschaft vorteilhaft. In der unbedrohten Umwelt der Züchter entfällt die Selektion. Die jungen Lachse müssen dort nicht so robust wie in der Wildnis sein. In dieser Situation ist es für die Weibchen vorteilhafter, mehr Eier zu legen, die dann aber kleiner sind. An den natürlichen Standorten sind diese Veränderungen dagegen wegen der geringeren Vitalität der Fische nachteilig. Die beschriebenen Effekte waren bei den Königslachsen schon nach vier Generationen erkennbar. Wurden größere Anzahlen gezüchteter Lachse freigelassen, schrumpfte in den betreffenden Flüssen die Eigröße, so daß die Tiere nicht so gut überlebten. Die Zucht führte somit nicht zum erwünschten Erfolg zur Rettung der bedrohten Art. Nur bei allmählicher Aufstockung mit gezüchteten Lachsen blieben die unerwünschten Auswirkungen der Selektion auf die Eigröße gering.
RJ
[HEATH DD, HEATH JW, BRYDEN CA, JOHNSON RM & FOX CW (2003) Rapid evolution of egg size in captive salmon. Science 299, 1738-1740.]