Nektarsaugende Spinnen

Spinnen gelten als Inbegriff für Jäger und hinterlistige Fallensteller, die ahnungslose Opfer fangen, lähmen und aussaugen. Der Verzehr lebendiger Nahrung gilt zwar als die dominante Methode der Ernährung bei Spinnen, doch manche Spinnenarten ernähren sich von toten Gliederfüßern, von der Netzseide, von den abgestreiften Häuten des eigenen Außenskeletts und in Gefangenschaft auch von Früchten, Marmelade, Milch oder Wurst. Spinnennetze werden auch eingesetzt, um Pollen zu fangen. Über eine weitere vegetarische Nahrungsquelle berichtet eine Forschergruppe um Robert R. Jackson von der University of Canterbury in Neuseeland. Sie entdeckten, daß Springspinnen gerne Nektar trinken. Von dieser Spinnengruppe sind fast 5000 Arten beschrieben; sie bildet damit die größte Spinnenfamilie. Die Forscher hatten 31 Arten im Freiland beim Nektartrinken entdeckt und 90 Arten im Labor auf diese Ernährungsweise hin untersucht. Es zeigte sich, daß alle untersuchten Arten sich von Nektar ernähren können. Vermutlich ist das Nektartrinken also eine bislang weithin übersehene, aber verbreitete Art der Ernährung. Auch Krabbenspinnen, die in Blüten auf Beute lauern, versorgen sich alternativ ebenfalls mit Nektar. Die Aufnahme flüssiger Nahrung ist für Spinnen normal, denn sie verflüssigen Beutetiere mit Verdauungssäften, um sie dann aufzusaugen. Frühere Untersuchungen deuten darauf hin, daß die Nektarkost die Lebensdauer der Spinnen erhöht, was damit zusammenhängen mag, daß Nektar besondere Nährstoffe bietet.

RJ

[Jackson RR, Pollard SD, Nelson XJ, Edwards GB & Barrison AT (2001) Jumping spiders (Araneae: Salticidae) that feed on nectar. J. Zool. Lond. 255, 25-29.]