Entstehung der Dinosaurier nach einem Asteroideneinschlag?
Daß das (endgültige) Aussterben der Dinosaurier und vieler anderer Arten durch einen verheerenden Asteroideneinschlag auf der Erde (an der Kreide/Tertiär-Grenze) ausgelöst worden sein soll, ist heute fast unbestritten. Nun behaupten einige Wissenschaftler, auch der Ursprung der großen theropoden Dinosaurier gehe auf ein solches Ereignis zurück. Ihr enormer Größenwuchs hätte sich demzufolge erst nach dem gewaltsamen Auslöschen der Fauna und Flora im vorhergehenden Erdzeitalter Trias entwickeln können. Diese Hypothese vertritt das internationale Forscherteam um den Paläobiologen Paul E. OLSEN. Im Grenzbereich zwischen Trias und Jura wurden bis zu vierfach höhere Iridiumkonzentrationen in Sedimenten Nordamerikas gemessen; diese hohen Konzentrationen sind vor allem aus extraterrestrischem Gestein bekannt. Daher gelten erhöhte Iridiumwerte in der Erdkruste als starke Hinweise auf einen Einschlag eines Himmelskörpers.
Aufgrund der Studien von OLSEN und Mitarbeitern an über 70 Fundorten an der Trias/Jura-Grenze soll die Entstehung und Verbreitung der Dinosaurier in unglaublichem Tempo geschehen sein. Versteinerte Fußstapfen der ersten Theropoden-Giganten erscheinen schon ca. 10.000 Jahre nach der Trias/Jura-Grenze und ca. 30.000 Jahre nach den letzten fossil überlieferten Lebewesen der Trias. Etwa 100.000 Jahre nach der Trias-/Jura-Grenze war bereits ein stabiles Maximum ihrer Artenvielfalt erreicht. Die Forscher mutmaßen, daß einige wenige Spezies die Katastrophe überlebt hätten und danach eine beschleunigte Evolution eingetreten sei. Ob eine solchermaßen beschleunigte Evolution, die in kürzester Zeit (gemessen an evolutionären Szenarien) zu der Größenzunahme und und neuen Merkmalen geführt haben soll, möglich ist, sei dahingestellt. Es stellt sich jedenfalls die Frage, ob das schnelle Auftreten der Dinosaurier alternativ damit zu tun haben könnte, daß die entsprechenden Grundtypen schon vorher in begrenzten, geologisch nicht überlieferten Lebensräumen existierten und nach dem katastrophalen Einschnitt Lebensbedingungen vorfanden, die nach dem Ausfall anderer Arten eine schnelle Vermehrung ermöglichten. OLSEN et al. (2002, 1307) lassen die Möglichkeit offen, daß es sich um ein Ausbreitungsereignis handeln könnte, das von irgendeinem unbekannten Ort seinen Ausgang nahm („dispersal event from some unknown location“).
RJ
[OLSEN PE, KENT DV, SUES H-D, KOEBERL C, HUBER H, MONTANARI A, RAINFORTH EC, FOWELL SJ, SZANJA MJ & HARTLINE BW (2002) Ascent of Dinosaurs Linked to an Iridium Anomaly at the Triassic-Jurassic Boundary. Science 296, 1305-1307]