Homo erectus in seiner Jugendentwicklung intermediär zwischen Mensch und Affe?

Die besondere Eigenschaft einer verlängerten Jugendzeit, die den Menschen vor anderen Menschenaffen auszeichnet, ist laut Evolutionstheorie weit nach der Entstehung des aufrechten Gangs entstanden. Die längere Entwicklungszeit wird möglicherweise benötigt für die volle Entwicklung der kognitiven und sozialen Fähigkeiten. Um die Entwicklungsdauer bei Fossilien feststellen zu können, versucht man die Zahnschmelzzuwachsrate mit der Entwicklungsgeschwindigkeit zu korrelieren und dies auf Fossilien anzuwenden. Die langsamere Rate, mit der beim Menschen Zahnschmelz angelagert wird, unterscheidet sich deutlich vom wesentlich schnelleren Zuwachs bei den Menschenaffen. Bei einer solchen vergleichenden Analyse (DEAN et al. 2001) liegt wie erwartet das Entwicklungsmuster, das man von Zähnen der Australopithecinen ableitete, nahe der großen Menschenaffen.

Allerdings weist Homo erectus, der in der Schöpfungsforschung zum Grundtyp Homo gerechnet wird, eine Entwicklungsdauer auf, welche intermediär zwischen Menschenaffen und Menschen zu liegen scheint. Aus dem Vergleich des Zahnschmelzzuwachses von Front- und Backenzähnen errechneten DEAN und Mitarbeiter, daß der erste Backenzahn bei H. erectus im Alter von 4,5 Jahren und der zweite im Alter von 7.5 Jahren durchbricht – beim heutigen Menschen ist dies im Alter von 6 bzw. 12 Jahren und bei Menschenaffen bei 3 bzw. 5 Jahren. Homo erectus sei also in diesem Merkmal als intermediär zu betrachten. Erst mit dem Auftreten von späteren Homo-Formen ab frühestens 800.000 rJ soll das menschliche Muster voll vorhanden gewesen sein. Die Autoren, die sich darüber erstaunt äußern, vermuten, daß das Gehirn, das doch noch nicht so groß war, keine solch verlängerte Wachstumsperiode benötigt habe.

Zuwachsraten von Zahnschmelz haben seit den 80er Jahren sehr umstrittene Ergebnisse geliefert (zusammengestellt in MANN et al. 1990). Zuerst wurde behauptet, daß die Australopithecinen eine völlig menschliche Zahnschmelzwachstumsrate besaßen. Heute besteht anscheinend komplette Einigkeit darüber, daß sie in diesem Merkmal fast vollständig den Menschenaffen ähneln. Der intermediäre Status von Homo erectus könnte eventuell auch durch andere biotische oder abiotische Faktoren mit beeinflußt worden sein. Ob das Klima einen Einfluß hatte, könnte unter Zuhilfenahme einer repräsentativen Stichprobe heutigen Menschen getestet werden, die in sehr unterschiedlichen biologischen und klimatischen Bedingungen aufwachsen.

[DEAN D, LEAKEY MG, REID D, SCHRENK F, SCHWARTZ GT, STRINGER CB & WALKER A (2001) Growth processes in teeth distinguish modern humans form Homo erectus and earlier hominis. Nature 414, 628-631; MANN A, LAMPL M & MONGE J (1990) Patterns of ontogeny in human evolution: Evidence from dental development. Yb. Phys. Anthropol. 33, 111-150.]

SHS