Wie menschlich sind Affengehirne?
Durch Magnetospinresonnanz-Untersuchungen an Gehirnen von Menschenaffen wurde ein Merkmal entdeckt, das eng mit der Sprachfähigkeit gekoppelt ist. Die Brodman Region 44, ein Teil der Brocaschen Region, ist typischerweise beim Menschen auf der linken Gehirnhemisphäre etwas vergrößert und ein Hinweis auf das Sprachvermögen. Nun ist diese Region bei Schimpansen, Bonobos und Gorillas ebenfalls links leicht größer als rechts – obwohl diese nicht über eine artikulierte Sprache verfügen. Die beiden Forscher Claudio CANTALUPO und William HOPKINS versuchen dies damit zu erklären, daß diese Region, die auch für kommunikative Gesten verantwortlich ist, sich links deswegen vergrößert habe, weil die gemeinsamen Vorfahren sich zunehmend durch Gesten mit der rechten Hand zu verständigen versuchten. Sie hatten nämlich beobachtet, daß sich Menschenaffen in Zoohaltung etwas mehr mit der rechten als mit der linken Hand verständigten. Warum die Menschenaffen – im Gegensatz zum Menschen – jedoch nicht das Sprachvermögen erworben hätten, bleibt unerklärt.
Auch die Paviane denken möglicherweise menschlicher als gedacht: in Laborexperimenten zeigen sie Hinweise auf ihre Fähigkeit zu abstraktem Denken, indem sie nach einem bestimmten Gesichtspunkt Bilder auswählten. Joel FAGOT, Edward WASSERMAN und Michael YOUNG zeigten, daß sie zum analogen Vergleich – „etwas verhält sich zu etwas anderen wie ...“ – fähig sind. Eine solche Denkleistung wurde im Tierreich bislang nur bei Schimpansen beobachtet. Allerdings haben an diesem Experiment nur zwei Paviane teilgenommen und dazu noch solche, die früher an anderen kognitiven Test beteiligt waren – also sozusagen alte Hasen. Abstraktes Denken war bislang Menschen vorbehalten.
Manchem mögen solche Ergebnisse ein Dorn im Auge sein, weil er dadurch die menschliche Besonderheit anscheinend in Frage gestellt sieht. Doch biologisch betrachtet ist der Mensch eine Art unter vielen anderen. Inwieweit sich seine Besonderheit in anatomischen oder physiologischen Merkmalen festmachen läßt, sei dahingestellt und sollte nicht von vornherein dogmatisch festgelegt (auch nicht ausgeschlossen) werden. Aus christlicher Perspektive ist nur der Bezug des Menschen zu Gott, d.h. seine göttliche Ebenbildlichkeit, entscheidend. So stellt eine noch so besondere Gehirnleistung bei den Affen keine Bedrohung dar, sondern kann als ein Hinweis auf die schöpferischen Größe Gottes gewertet werden.
[CANTALUPO C & HOPKINS WD (2001) Asymmetric Broca’s area in great apes. Nature 414, 505; WASSERMAN EA, FAGOT J & YOUNG M (2001) Same- different conceptualization by baboons (Papio papio): the role of entropy. J. Comp. Psychol. 115, 42-52.]
SHS