Langlebige Pflanzensamen

Pflanzen überraschen immer wieder durch beeindruckende Fähigkeiten als Überlebenskünstler. So können Samen mancher Pflanzenarten noch nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten keimfähig sein. Die ältesten nachgewiesen keimfähigen Samen sind Samen der Lotusblume, die in einem ausgetrockneten Flußbett in China gefunden wurden. Nach 14C-Datierung waren sie 1450 Jahre alt (BROWN 2001). Teil der Fortpflanzungsstrategie vieler Pflanzen ist es, nicht bei der nächsten Gelegenheit zu keimen, sondern lange, eventuell Jahre im Boden zu überdauern, bis bestimmte äußere Reize die Keimung bei passenden Bedingungen auslösen. Solche Reize können ein Waldbrand oder ein Regenfall sein.

BROWN (2001) berichtet von einem seit 122 Jahren laufenden Experiment zur Keimfähigkeit von Pflanzensamen, das weltweit älteste dieser Art: Im Jahre 1879 füllte der Botaniker William J. BEAL von der heutigen Universität von Michigan Samen von 20 verschiedenen lokalen Pflanzenarten in feuchten Sand in Glasflaschen, versiegelte diese und vergrub sie im Boden des örtlichen botanischen Gartens. Zuerst alle fünf, dann alle zehn und seit 1980 alle 20 Jahre wird eine Flasche geöffnet und die enthaltenen Samen durch Wärme und Licht zum Keimen zu bringen versucht. Ber der letzten Öffnung einer Flasche im Jahre 2000 keimten 24 Samen aus. Außer zweien gehörten alle zu der Art Verbascum blattaria (Königskerze), die beiden anderen waren ebenfalls Verbascum-Arten. Mittels Einsatz einer Kältekammer konnte noch eine Malven-Art (Malva neglecta) zum Keimen gebracht werden. Bei der vorletzten Öffnung 1980 hatten exakt dieselben Arten gekeimt. Das Nichtkeimen der anderen Arten könnte wenigstens teilweise darauf zurückzuführen sein, daß die Öffnung der Flaschen nicht zum jahreszeitlich artspezifischen Optimum erfolgt.

Die Ergebnisse belegen, daß es grundsätzlich möglich ist, daß Pflanzensamen unter Benetzung viele Jahre keimfähig bleiben – eine Fähigkeit, die bei längerfristigen Überflutungen sehr nützlich ist.

[BROWN K (2001) Patience yields secrets of seed longevity, Science 291, 1884-1885.]

WL