Lassen sich evolutionäre Abläufe wiederholen?

Von einer interessanten Studie über mikroevolutionäre Abläufe berichten Jonathan B. Losos und Mitarbeiter (Washington University St. Louis). Sie untersuchten sechs unterschiedlich spezialisierte ökologische Rassen ("ecomorphs") der Eidechsengattung Anolis, die auf vier Inseln der Großen Antillen leben. Auf allen Inseln gibt es entsprechende Lebensräume, an welche die untersuchten Rassen angepaßt sind. Aus mitochondrialen DNA-Sequenzen konnte geschlossen werden, daß die ähnlichen Eidechsenrassen sich unabhängig auf den einzelnen Inseln entwickelt hatten und sich nicht von einem gemeinsamen Vorfahren ausgehend auf die Inseln verbreitet hatten. Die ökologischen Rassen bildeten nämlich meistens keine monophyletischen Gruppen. Die Abfolgen, wie diese speziellen Anpassungen erworben wurden, erwiesen sich dagegen als unterschiedlich. Da es andernorts auch noch andere Formen der Anolis-Eidechsen gibt, schließen die Autoren, daß es sich um Anpassungsprozesse handelt, nicht um zwingende Kanalisierung ("constraint"). Die Ergebnisse dieser Anpassungen seien im Rahmen einer Rassenbildung innerhalb einer Art vorhersagbar.

[Losos JB, Jackman TR, Larson A, de Queiroz K & Rodríguez-Schettino L (1998) Contingency and determinism in replicated adaptive radiations of island lizards. Science 279, 2115-2118.] RJ