Mehr Schein als Sein
Eine tiefe Stimme läßt unwillkürlich auf Größe schließen. Dies macht sich eine Reihe von Vogelarten mittels einer verlängerten Luftröhre zunutze, um eine größere Körpergröße vorzutäuschen, wie Fitch (1999) in einer ausführlichen Darstellung des Phänomens darlegt. Normalerweise ist die Länge der Luftröhre mit der Körpergröße korreliert, so daß die entsprechende Akustik von Vogelrufen Informationen über die Größe des Tieres vermittelt. Bei mindestens 60 Vogelarten ist die Luftröhre erheblich verlängert (bis zu 20fach) und verläuft in Windungen oder Spiralen bis zur Lunge. Die Stimme wird dadurch tiefer. Nützlich dürfte der damit erzielte akustische Effekt bei der Revierverteidigung oder beim Gewinnen von Paarungspartnern sein. Die Vögel mit verlängerter Luftröhre gehören sechs verschiedenen, nicht näher verwandten Ordnungen an. Evolutionstheoretisch muß daher mehrfache konvergente Entstehung dieses Merkmals angenommen werden. Nahe verwandte Arten haben oftmals keine verlängerte Luftröhre.
[Fitch WT (1999) Acoustic exaggeration of size via tracheal elongation: comparative and theoretical analyses. J. Zool. Lond. 248, 31-48.] RJ