Schlupfwespenlarve steuert Spinne

Weibchen von Schlupfwespen (Ichneumonidae) legen typischerweise ihre Eier mittels eines langen Legebohrers in Wirtsorganismen (z.B. Schmetterlingslarven), welche oft zunächst noch am Leben bleiben, aber nach der Entwicklung der Schlupfwespenlarve sterben und manchmal von dieser auch verzehrt werden.

Eine auffällige Verhaltensweise, die durch eine solche Parasit-Wirt-Beziehung verursacht wird, beschreibt Eberhard (2000) in einer kurzen Mitteilung. Ein Hymenoepimecis-Weibchen paralysiert eine Radnetzspinne (Plesiometa argyra) durch einen Stich in den Hinterleib und legt darin ein Ei ab. Anschließend verhält sich die wieder "zum Leben erwachte" Spinne für 7-14 Tage unauffällig. Am Abend, an welchem die inzwischen entwickelte Schlupfwespenlarve ihren Wirt töten wird, beeinflußt sie dessen Verhaltensweise ganz massiv. Die Spinne, die auch nach dem erfolgten Angriff in gewohnter weise ihre Netzte gesponnen hat, baut an ihrem letzten Abend ein Kokon-Netz, das sehr einfach gebaut ist und zu dessen Herstellung nur die ersten Arbeitsgänge des normalerweise komplexen Spinnverhaltens wiederholt werden. Die weiteren Stadien scheinen unterdrückt zu werden. Mit diesem Verhalten versorgt der Wirt, bevor er getötet und verspeist wird, den Parasiten mit einer dauerhaften Konstruktion für dessen Kokon.

Diese Verhaltensänderung scheint chemisch ausgelöst zu sein, denn die Spinne baut die veränderte Kokon-Netz-Version auch dann, wenn der Parasit kurz vor Beginn des Spinnvorgangs entfernt wird. Die Auslösung erfolgt offenbar auch sehr schnell: entfernt man den Parasiten früh am Abend, so tritt keine Verhaltensänderung ein. Die Einfluß hält auch längere Zeit an: entfernt man den Parasit nach Eintritt der Verhaltensänderung, so wird in der nachfolgenden Nacht ebenfalls ein atypisches Netz gebaut. Unter den vielen bekannten Manipulationen von Wirten durch Parasiten scheint die hier erstmals beschriebene, die am feinsten gelenkte Verhaltensänderung zu sein.

Diffizile Phänome treten nicht nur dort auf, wo man über Lebensäußerungen staunen kann, sondern auch dort, wo Leben zerstört wird.

[Eberhard WG (2000) Spidermanipulation by a wasp larva. Nature 406, 255-256; s. auch die darin angekündigte Fachpublikation.] HB