Bedingte Abrüstung bei Akazien

Es gehört zu den bemerkenswerten Fähigkeiten vieler Lebewesen, ihr Äußeres flexibel an sich ändernde Umweltbedingungen anpassen zu können. Im Erbgut ist offenbar eine gewisse Bandbreite an Ausprägungsmöglichkeiten von Merkmalen niedergelegt. Die Biologen sprechen von Modifikation, die zu unterscheiden ist von genetischer Variation. Im ersten Fall ist das Erbgut trotz verschiedener Ausprägungen identisch, im zweiten ist es von Individuum zu Individuum unterschiedlich. Von einem interessanten Fall von Modifikabilität bei Akazien berichteten Young & Okello (1998). Die Forscher untersuchten die Länge der Dornen, mit denen sie ihre Blätter schützen, in Abhängigkeit von Bedrohung durch Laubfraß. Sie schützten einige Flächen vor gefräßigen Wildtieren. Die Folge war eine Verkürzung der Länge neu gebildeter Dornen in den darauffolgenden Jahren; nach 22 Monaten hatte die Länge um ca. 20% abgenommen. Doch die Akazien können noch weit stärker abrüsten, wenn sie ihre Verteidigung längere Zeit nicht benötigen, so daß die Dornenlänge um bis zu 70% schrumpfen kann. Die allmähliche Abrüstung erscheint sinnvoll, da ein zu eiliger Abbau in einer bösen Überraschung enden kann, falls hungrige Tiere bald wieder vorbei kommen. [Young TP & Okello BD (1998) Relaxation of an induced defence after exclusion of herbivores: spines of Acacia drepanolobium. Oecologia 115, 508-513.] RJ