Astrobiologie - mit großem Aufwand dem Leben auf der Spur?

Die amerikanische Weltraumbehörde NASA hat im Mai 1998 am Ames Research Center in Mountain View, California ein neues virtuelles Institut für Astrobiologie eingerichtet (Lawler 1999a, b). Dazu hat eine Kommission aus 53 Bewerbern 11 Institutionen (s. Tab. 1) ausgewählt, die mittels Internet interdisziplinär kooperieren sollen. Die Teilnehmer sollen über ein neues, von der NASA entwickeltes Hochgeschwindigkeits-Computer-Netzwerk (´Next Generation Internet´) kommunizieren. Das Netzwerk soll im Rahmen dieses Instituts seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen und Kosteneinsparungen ermöglichen.

Tab. 1: Teilnehmer des Astrobiologischen Instituts der NASA und deren Forschungsschwerpunkte.

Institut

Forschungsrichtung

Arizona State University, Tempe Dezentralisierte Infomationsverarbeitung, Organische Synthese Carnegie Institution of Washington, D.C. Entwicklung hydrothermaler Systeme Harvard University, Cambridge, MA Geochemie und Paläontologie der Erde Pensylvania State University, University Park biologische Veränderungen während der frühen Evolution auf der Erde Scripps Research Institute/University Of California, Riverside Selbstreplizierende Systeme, Modelle präbiotischer Welten University of California, Los Angeles Frühe Stoffwechselsysteme University of Colorado, Boulder Entstehung und Bewohnbarkeit von Planeten, RNA-Katalyse, Philosophie Woods Hole Marine Biological Laboratory, MA Mikrobiologische Vielfalt, Evolution komplexer Systeme NASA Centers: Ames Research Center, Mountain View, CA Planetenentstehung, Wechselwirkung zwischen Erde und Biosphäre Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, CA Kennzeichen von Leben, Geologie und Geochemie des Mars Johnson Space Center, Houston Hinweise für Leben auf anderen Planeten Astrobiological Center National Technological Aerospace Institute Ministry of Defense, Spain

Motiviert durch Entdeckungen von außergewöhnlichen Lebewesen in extremen Lebensräumen, wie z.B. in heißen Tiefseeschloten oder in basaltischem Gestein mehrere hundert Meter unter der Erdoberfläche, sollen Fragen im Zusammenhang mit der Entstehung des Lebens neu beleuchtet werden. Auch die Interpretation von Untersuchungsergebnissen von Meteoritenmaterial oder spektroskopischen Hinweisen auf Wasservorkommen z.B. auf dem Jupitermond Europa nähren Spekulationen über das Auftreten von Lebewesen im Kosmos, die geprüft und weiter untersucht werden sollen.

Die Projekte werden jeweils in Zeiträumen von fünf Jahren geplant. Für 1998 standen 4 Millionen Dollar zur Verfügung, für 1999 sind 9 Millionen Dollar veranschlagt und im Jahr 2000 sollen es 20 Millionen Dollar sein. Vertreter der NASA haben die Hoffnung geäußert, daß in späteren Jahren 100 Millionen Dollar pro Jahr zur Verfügung stehen. Inzwischen wurde bekannt, daß sich ein spanisches Institut dem Astrobiologie-Zentrum anschließt und die spanische Regierung sich mit 7 Millionen Dollar beteiligen will (Anonymous 1999).

Es ist bemerkenswert, mit welch hohem Einsatz und Aufwand die ungelösten Fragen der Entstehung der Lebewesen in Angriff genommen werden und man darf auf die Ergebnisse gespannt sein, die durch diese enormen Anstrengungen in den nächsten Jahren erzielt werden.

Abschließend sei jedoch die skeptische Frage erlaubt, ob die bisher vorliegenden Resultate früherer, intensiver Bemühungen im Themenbereich Ursprung des Lebens einen solchen finanziellen Aufwand wirklich rechtfertigen, oder ob man beim Einsatz und der Verteilung von Forschungsmitteln nicht sorgfältiger prüfen sollte.

[Anonymous (1999) Spain joins search for extraterrestrial life. Nature 397; Lawler A (1998a) Ames tackles the riddle of life Science 279, 1840-1842; Lawler A (1998b) Astrobiology institute picks partners. Science 280, 1338; Vaas R (1999) Astrobiologie bei der NASA. Naturw. Rdsch. 52, 203-204; Informationen im Internet (s. Vaas 1999): http://astrobiology.arc.nasa.gov/; http://www.reston.com/astro/bio.web.html.] HB