Weshalb Agassiz den Darwinismus kritisierte
Einer der Kritiker unter den Zeitgenossen Darwins war Louis Agassiz (1807-1873), der bedeutende schweizerisch-amerikanische Fischsystematiker und Geologe. Viele Kommentatoren führen dies auf Agassiz' Arten-Essentialismus zurück. Der Biologe Paul Morris, University of Massachusetts, zeigt jedoch anhand einer wenig bekannten Publikation von Agassiz aus dem Jahre 1869 auf, daß der Artbegriff in dessen Argumenten gegen den Darwinismus keine besondere Rolle spielte. Vielmehr entwickelte Agassiz in dieser Publikation folgende drei Hauptargumente: 1. Der Darwinismus sei eine a priori vorausgesetzte Lehre, die Daten interpretiert, jedoch nicht von diesen abgeleitet wurde. 2. Alle Organismen weisen Variabilität auf, diese ist aber begrenzt und betrifft nicht Merkmale, die Gattungen oder Familien charakterisieren. 3. Der Fossilbericht paßt nicht zu den Erwartungen einer progressiven Evolution. Morris urteilt, daß Agassiz' Argumente nicht primär von seiner religiösen Grundhaltung bestimmt sind, sondern daß er überzeugt war, daß die Daten der Natur seine Weltsicht unterstützen. Morris schreibt: "It should be abundantly clear that Agassiz's opposition to Darwinism was based in a cogent worldview, and that the core of his opposition lay in a literal, empirical interpretation of the natural world, especially in the fossil record." [Morris PJ (1997) Louis Agassiz's arguments against Darwinism in his additions to the French translation of the Essay on Classification. J. Hist. Biol. 30, 121-134] RJ