Kaffee (Coffea): Sternförmige Radiation

Kaffee weckt nicht nur mancher Leute Lebensgeister, sondern bietet auch ein interessantes Beispiel einer Grundtyp-Radiation. Die in Afrika, Madagaskar und einigen Inseln des Indischen Ozeans beheimateten Kaffeebäume (Familie Rubiaceae) werden in zwei Gattungen, Coffea und Psilanthus, unterteilt, die wiederum in zwei Untergattungen aufgeteilt werden. Die Untergattung Coffea umfaßt über 80 Taxa. Außer Coffea arabica, einer der beiden ökonomisch bedeutsamen Arten, sind alle Coffea-Arten diploid (2n = 22). Trotz beträchtlicher morphologischer Variation sind die Coffea-Arten leicht miteinander kreuzbar; auch Kreuzungen mit Psilanthus sind gelungen, womit diese Gattungen zum selben Grundtyp gehören. Cros et al. (1998) untersuchten die Sequenzen zwischen den trnL- und trnF-Genen der Plastiden-DNA von 23 Coffea-Arten und Psilanthus mannii. Die daraus nach dem Sparsamkeitsprinzip abgeleitete phylogenetische Rekonstruktion legt eine radiale (sternförmige) Artbildung für die Gattung Coffea und einen nicht lange zurückliegenden Ursprung der einzelnen Arten in Afrika nahe. Einige Daten deuten auf das Vorkommen introgressiver Hybridisierung hin, d. h. auf die Bildung von Hybridschwärmen, die untereinander und mit den jeweiligen Elternarten kreuzbar sind. Die Analyse der Plastiden-DNA widerspricht des weiteren der Trennung von Coffea und Psilanthus in zwei Gattungen. Werden alle Befunde zusammengenommen, passen sie gut zur Vorstellung eines genetisch polyvalenten Grundtyps (vgl. Junker & Scherer 1998, Kap. VII.17.3), dessen Vielfalt eine rasche sternförmige Artaufspaltung ermöglichte. [Cros J, Combes MC, Trouslot P, Anthony F, Hamon S, Charrier A & Lashermes P (1998) Phylogenetic analysis of chloroplast DNA variation in Coffea L. Mol. Phyl. Evol. 9, 109-117; Junker R & Scherer S (1998) Evolution - ein kritisches Lehrbuch. Giessen.] RJ