War Mendel ein Darwinist?
In vielen geschichtlichen Darstellungen werden Gregor Mendels Studien zur Vererbung in keinem engeren Zusammenhang mit Darwins Evolutionstheorie gesehen, obwohl seine Arbeiten zu einer Zeit publiziert wurden, als die Abstammungslehre intensiv diskutiert wurde. Eine sorgfältige Analyse der Arbeit Mendels über Versuche mit Erbsen (Pisum), die 1866 publiziert wurde, sowie der Begleitumstände, unter denen sie entstand, zeigt, daß sie entgegen verbreiteter Auffassung nicht nur antievolutionistisch ausgerichtet war, sondern gegen Darwins Entstehung der Arten (1859 erschienen) geschrieben wurde. Zu diesem Ergebnis kommt B. E. Bishop in einem Beitrag über Mendels Veröffentlichung über Pisum. Darwins Vorstellungen waren Mendel vertraut. Es sei, so Bishop, unglaubwürdig, daß ein Priester eine Theorie offen befürworte, deren Veröffentlichung Darwin wegen ihrer häretischen religiösen und politischen Implikationen lange hinausgezögert hatte. In einer früheren Analyse hatte Callender (1988) bereits festgestellt, daß keiner der zahlreichen Wissenschaftler, die Mendel in Übereinstimmung mit der Abstammungslehre Darwins sahen, in Mendels Vererbungstheorien einen Evolutionsmechanismus entdeckten. [Bishop BE (1996) Mendel's opposition to evolution and to Darwin. J. Hered. 87, 205-213; Callender LA (1988) Gregor Mendel: an opponent of descent with modification. History of Science 26, 41-75]
RJ