Ökologischer Punktualismus

Nach der bis zum heutigen Tag kontrovers diskutierten Theorie des Punktualismus (punctuated equilibrium, unterbrochenes Gleichgewicht) sollen sich in der Erdgeschichte gelegentliche kurzfristige, explosive Evolutionsphasen mit langen Zeiträumen abwechseln, in denen nur geringfügige Änderungen von Organismen eintreten. Einige Paläontologen dehnen dieses Konzept auf ganze Lebensgemeinschaften aus und glauben, Belege für ein koordiniertes Stehenbleiben ("coordinated stasis") ganzer Ökosysteme mariner Tiere über viele Millionen Jahre nachweisen zu können. Als Grund für diese "Evolutionsträgheit" wird eine enge ökologische Verflechtung dieser Lebensgemeinschaften vermutet, die keinen Raum für Veränderungen zugelassen haben solle. Wie der klassische Punktualismus ist auch die ökologische Version des "punctuated equilibrium at a higher level" (D. Erwin) umstritten. Auswertungen fossiler Lebensgemeinschaften ergeben nämlich keine einheitlichen Resultate. [Kerr RA (1997) Does evolutionary history take million-year breaks? Science 278, 576-577; Hinweis: Ivany LC & Schopf KM (eds, 1996) New perspectives on faunal stability in the fossil record. Palaeogeography, Paleoclimatology, Palaeoecology 127, 1-359]

RJ