"Eine frostige Geschichte von den Enden der Erde"

Das Leben in der Arktis und der Antarktis muß besonders winterfest sein. Die Fische müssen dort Temperaturen bis -1,9ºC überstehen. Weshalb erfrieren sie nicht? Verhindert wird dies durch spezielle "Antifrost"-Blutserum-Glykoproteine (AFGPs), welche die Bildung von Eiskristallen verhindern und den Gefrierpunkt der Fische unter die Wassertemperatur senken. Sehr ähnliche AFGPs wurden bei Fischen sowohl der Arktis als auch der Antarktis am anderen Ende der Erde gefunden. Die Biologen staunten aber nicht schlecht, als sich herausstellte, daß vollständig verschiedene genetische Grundlagen für die AFGPs gegeben sind. Evolutionstheoretisch müssen grundverschiedene Entwicklungswege angenommen werden. Dies wird dadurch unterstrichen, daß auch aufgrund morphologischer und paläoklimatischer Daten eine unabhängige Entstehung der untersuchten Fischgruppen angenommen werden muß. Konvergente Evolution zu einem nahezu identischen Antifrost-Molekül? Für den Nature Kommentator A. Mitchell "in der Tat eine frostige Geschichte". [Mitchell A (1997) A chilling tale from the ends of the earth. Nature 387, 125; Chen L, De Vries AL & Cheng CHC (1997) Evolution of antifreeze glycoprotein gene from a trypsinogen gene in Antarctic notothenioid fish. Proc. Natl. Acad. Sci. USA 94, 3811-3816.]

RJ