Führte der Weg zu den Schlangen durch das Meer?
Sind marine Mosasauriden unter den Echsen die nächsten Verwandten der Schlangen? Hinweise dafür glauben die Paläontologen M. W. Cadwell von der Universität von Alberta und M. S. Y. Lee von der Universität von Sydney gefunden zu haben. Sie beschreiben zwei Fossilien aus einem marinen kreidezeitlichen Aufschluß in Israel, 20 Kilometer nördlich von Jerusalem. Bei ihrer Erstentdeckung vor 20 Jahren waren die Fossilien (Pachyrhachis problematicus) als ausgestorbene Eidechsen identifiziert worden. Cadwell und Lee sind sich aber sicher, daß es sich bei Pachyrhachis um eine Schlange handelt. Dafür spricht der schlanke, langgestreckte Körper, v.a. aber auch der Schädel, der völlig dem moderner Schlangen entspricht. Andererseits verfügt diese Gattung über ein gut ausgebildetes Becken und über Hinterextremitäten (Oberschenkelknochen, Schienbein, Wadenbein und Fußwurzelknochen). Aufgrund von Merkmalen, die Pachyrhachis mit den ausgestorbenen Mosasauriden gemeinsam hat, vermuten die Autoren, daß die heutigen Schlangen von diesen wasserlebenden Eidechsen abstammen. Die konventionelle Sicht geht von höhlenbewohnenden Eidechsen als Vorläufer der Schlangen aus, sie ist aber fossil ungenügend belegt (vgl. auch Schlüter 1997. 66f.). N. C. Fraser vom Virginia Museum of Natural History hält es allerdings für möglich, daß es sich bei den Gemeinsamkeiten von Pachyrhachis und den Mosasauriden um Konvergenzen handelt, und somit keine näheren phylogenetischen Beziehungen vorliegen. [Cadwell MW & Lee MSY (1997) A snake with legs from the marine Cretaceous of the Middle East. Nature 386, 705-709; Fraser NC (1997) Genesis of snakes in exodus from the sea. Nature 368, 651-652; Schlüter A (1997) Mythos Schlange. Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie C, Heft 41.]
RJ