Charles Lyell (1797-1875) und die Uniformität der Natur

Autor/innen

  • Thomas Fritzsche
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a7e1160791d)
1997-11-01

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Charles Lyell, Naturalist durch Vererbung und Gelegenheit (Bailey 1962, S. 2), gilt vielen als der eigentliche Begründer der Geologie. Seine Doktrin des Uniformitarismus, eine Sichtweise, die für die Beschreibung der Vergangenheit nur heutige Prozesse und heutige Raten der Veränderung zuläßt, prägte die Geologie für mehr als ein Jahrhundert. Lyell sah sich in dauernder Auseinandersetzung mit dem geologischen Katastrophismus, dem vermeintlich noch die Verwandtschaft zur biblischen Sintflut anzumerken war. Er hatte dem Genesisbericht der Bibel und allen sich daraus ergebenden kirchlichen Eingriffen in die Wissenschaft den Kampf angesagt. Sein erstes Kampfmittel war eine ausgefeilte Geschichtsschreibung in den einleitenden Kapiteln der Principles of Geology: nur diejenigen waren dem rechten Weg gefolgt, die seine eigene Interpretation antizipiert hatten. Hingegen wurden die Theorien anderer Forscher nur entstellt wiedergegeben. Sein zweites Kampfmittel und zugleich seine Stärke war die unermüdliche Begeisterung für das Fach. Beharrungsvermögen, fachliches Können und gesellschaftliches Ansehen sicherten ihm Anerkennung. Lyells Principles legten den Grundstein für die Selektionstheorie Charles Darwins. Beide Forscher waren eng befreundet, auch wenn Lyell den Evolutionsgedanken in letzter Konsequenz nicht befürwortete. Die von Lyell propagierte beengende Form des Uniformitarismus wurde von vielen Geologen seiner Zeit nicht akzeptiert; oft wurden Lyells Gedanken gar nicht durchschaut. Der moderne Katastrophismus in der Geologie führte zu einer Neubewertung des Einflusses von Lyell und seiner ursprünglichen Intention.

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