Ruineneidechsen: Makroevolution oder Polyvalenz?

Rapide Anpassung, Makroevolution und Hinweise auf programmierte Variabilität bei Podarcis sicula (Sauria: Lacertidae)

Autor/innen

  • Christoph Heilig
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2008-11-01
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Die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zu Ruineneidechsen (Podarcis sicula) aus der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) werden diskutiert. Bei dieser Eidechsenart sollen erhebliche mikroevolutive und sogar makroevolutive Veränderungen in einem Zeitraum von nur 36 Jahren entstanden sein. Während die Veränderungen im Bau der Gliedmaßen und des Schädels (und der daraus resultierenden Beißkraft) lediglich rapid ablaufende Mikroevolutionsprozesse (Variation) belegen, soll auch eine innerhalb von nur etwa 30 Generationen angeblich neu entstandene Struktur im Verdauungstrakt der Eidechsen ebenfalls auf Anpassung zurückgeführt werden und durch ungerichtete Prozesse hervorgebracht worden sein. Dabei handelt es sich um sogenannte „Cecal Valves“ – Blinddarmklappen, die den Verdauungsvorgang verlangsamen und bei schwerverdaulicher pflanzlicher Nahrung von Vorteil sind. Diese Struktur wird von den Autoren als makroevolutive Neuerung (Konstruktion) ausgegeben, in den Medien als solche gefeiert und in mehreren Kommentaren von Biologen auch als Argument gegen das Schöpfungsparadigma vorgebracht. Die Einordnung als makroevolutive Neuerung ist jedoch bei weitem nicht so schlüssig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. So ist durchaus denkbar, dass die Klappen-Struktur lediglich eine mikroevolutive (mutative) Veränderung bereits bestehender Strukturen darstellt, selbst wenn ihre genetische Grundlage in der besagten Population de novo entstanden sein sollte. Falls die Forscher Recht behalten sollten und die erstmalige Entstehung der notwendigen genetischen Information tatsächlich Makroevolution wäre, kann dennoch eine alternative Deutung der Daten vertreten werden: Die betreffende Struktur könnte eine mikroevolutive Ausprägung eines von Anfang an bestehenden Potentials einer polyvalenten Stammform der untersuchten Population von P. sicula sein.

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