Bewegte sich der „Vormensch“ auch auf allen Vieren?

Wie der Hominidenstatus der Australopithecinen schwindet

Autor/innen

  • Michael Brandt
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2002-05-01
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Zusammenfassung: Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das sich gewohnheitsmäßig auf zwei Beinen schreitend fortbewegt. Die Frage nach der Entstehung dieser Fortbewegungsweise ist deshalb eine Kernfrage in allen evolutionären Konzepten zur Entstehung der Menschheit. Lange Zeit war die Meinung vorherrschend, daß die im Kopfbereich recht großaffenähnlichen Australopithecinen einen menschlichen oder nahezu menschlichen zweibeinigen Gang praktiziert hätten. Sie hat wesentlich zur Anerkennung der Australopithecinen als frühe Hominiden („Vormenschen“) Mitte des 20. Jahrhunderts geführt. Seit knapp zwei Jahrzehnten mehren sich jedoch die Hinweise dafür, daß der zweibeinige Gang der Australopithecinen dem des Menschen sehr unähnlich war und daß diese Wesen über die Fähigkeit zum Klettern verfügten. Wie konnten die Australopithecinen aber bei schlechter Fortbewegung auf zwei Beinen schnell vor Feinden auf den nächsten Baum fliehen? Einige alte und neue Daten sowie eine alternative Deutung zahlreicher bekannter Skelettmerkmale eröffnen die Möglichkeit, daß die Australopithecinen sich effektiv auch auf allen Vieren fortbewegen konnten. Die Fortbewegungsanpassungen bei den verschiedenen Arten des australopithecinen Formenkreises waren wahrscheinlich sehr unterschiedlich ausgebildet. Es ist kaum möglich, in einem evolutionären Ursprungsmodell plausible Selektionsdrücke anzugeben, die zur Entstehung des ineffektiven zweibeinigen Ganges der Australopithecinen geführt haben. Im Rahmen des Grundtypkonzeptes der Schöpfungslehre entfällt diese Suche. Die Australopithecinen können in diesem Ursprungskonzept als ein geschaffener Grundtyp interpretiert werden, der mit seinem Gesamtfortbewegungsrepertoire gut an seine Umwelt angepaßt war. Die neuere Datenlage legt es nahe, den Hominidenstatus der Australopithecinen grundsätzlich anzufragen. Es gibt aber derzeit keine Formen, die an die Stelle dieser Wesen treten könnten. Eine Anfrage an den Hominidenstatus der Australopithecinen würde deshalb zugleich die geltende Sicht in Frage stellen, nach der die Abstammung des echten Menschen von tierischen Vorfahren fossil dokumentiert sei . Da jede grundsätzliche Anfrage an das evolutionäre Gesamtmodell der Paläoanthropologie tabu ist, wird der Status der Australopithecinen als Vormenschen wahrscheinlich solange nicht aufgegeben werden, bis andere Kandidaten als Ersatz gefunden sind.

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