Genome im Überblick

Autor/innen

  • Laurence Loewe
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a7c996b0665)
1997-05-01

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Die Entwicklung und Optimierung von Verfahren zum Sequenzieren großer Mengen der Erbsubstanz DNA ermöglichte die vollständige Bestimmung der Reihenfolge der Bausteine des Genoms, also der Gesamtheit aller Gene, von bisher fünf Mikroorganismen. Dazu gehören die kleinste bekannte Zelle überhaupt, Mycoplasma genitalium, die Eubakterien Haemophilus influenzae und Escherichia coli, das Archaebakterium Methanococcus jannaschii sowie die eukaryonte Bierhefe Saccharomyces cerevisiae. Die Sequenzierung der Genome weiterer Modellorganismen und des Menschen ist bereits in vollem Gange. Aus Sicht der Ursprungsforschung sind die Informationen in den Genomen und ihre jeweiligen Ähnlichkeiten von Interesse. Zum einen gibt es neben einigen anderen Besonderheiten erstaunliche Merkmalskonflikte bei den Archaebakterien. Zum anderen läßt die einfachste bekannte Zelle, Mycoplasma genitalium, erkennen, daß selbst die einfachsten modernen Lebewesen scheinbar immer noch einige hundert Proteine benötigen. Wie bei allen untersuchten komplexen Modellorganismen festgestellt wurde, scheinen nicht alle identifizierten Gene für die Vermehrung unter Laborbedingungen absolut unerläßlich zu sein. Schätzungen deuten darauf hin, daß nur in etwa 30% aller Fälle die Abwesenheit eines Gens tödliche Folgen hat. Aus evolutionstheoretischer Perspektive bleibt momentan unklar, wie die Gene entstanden sein sollen, bei deren Fehlen ein Überleben des Lebewesens unmöglich wäre. Auch die Entstehung der Gene, welche nicht spürbar zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Nachkommenzahl führen, ist unklar. Auf jeden Fall ist es an der Zeit, sich an eine "Biologie der Vogelperspektive" zu gewöhnen: Genome im Überblick.

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