Erneute Bestätigung: „Homo“ habilis war kein Mensch
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Abb. 1 (Introbild) Aufbau des Zahnes. (Grafik: Benjamin Scholl nach Uwemuell, Public Domain)
Nach der Entdeckung von Fossilien in der Olduvai-Schlucht in Tansania schlugen Leakey et al. (1964) die neue Art Homo habilis vor und stellten sie in die morphologische (körperbauliche) Lücke zwischen Australopithecus und Homo erectus. Homo habilis wird seitdem vielfach als erster Homo (Mensch) popularisiert, doch war und ist Homo habilis seit seiner Erstbeschreibung ein umstrittenes Taxon (Tobias 1992; vgl. Scholl 2022). Wegen der strittigen Einordnung wird im Folgenden Homo bei der Art habilis und auch rudolfensis in Anführungszeichen gesetzt.
Ein großer Teil der Überreste dieser Fossilgruppe besteht aus Zahnresten (vgl. Scholl 2022), die bisher jedoch nur anhand der oft abgenutzten Schmelzoberfläche untersucht worden sind. Davies et al. (2024) analysierten nun zum ersten Mal die innere Struktur der Zähne von „Homo“ habilis. Dabei untersuchten die Forscher die Morphologie der Dentinkrone unterhalb des Zahnschmelzes (s. Abb. 1), die bei mäßigem Zahnverschleiß erhalten und für die taxonomische Zuordnung von fossilen Homininen sehr aussagekräftig ist. Es wurden die Form sowie die Größe der Dentinkrone der Unter- und Oberkiefer-Zahnreihe von „Homo“ habilis bestimmt und mit zahlreichen anderen Homininen (Australopithecus, Homo erectus und späteren Homo-Funden) verglichen.
Davies et al. (2024) kamen zu dem Ergebnis, dass die Morphologie der Dentinkrone von „Homo“ habilis der von Australopithecus ähnelt und „primitiver“ ist als die von Homo erectus. Bei „Homo“ habilis existiert aber eine zahnmorphologische Variationsbreite, die über den von Davies et al. (2024) erwarteten Bereich einer Spezies hinausgeht. Das zu „Homo“ habilis gestellte Fossil OH 16 besitzt nämlich eine Anzahl Zahnmerkmale, die es von den anderen „Homo“-habilis-Funden trennt, aber auch nicht zu den frühen Homo-erectus-Funden stellt. Dies weist darauf hin, dass es sich bei „Homo“ habilis möglicherweise um mehr als eine Art handeln könnte.
Die Morphologie der Dentinkrone schließt „Homo“ habilis aus der Variationsbreite der Gattung Mensch aus. Dieser Befund steht im Einklang mit zahlreichen Untersuchungsergebnissen des Körperstamm- und Extremitätenskeletts, des Innenohres, des Kauapparates, der Ernährungsweise und auch des Musters der Kindheitsentwicklung (Brandt 2023). „Homo“ habilis wurde aufgrund vieler dieser Gründe von Wood & Collard (1999) und Collard & Wood (2015) aus der Gattung Homo ausgeschlossen. Diese beiden Autoren und andere Forscher nahmen auch „Homo“ rudolfensis, der wie „Homo“ habilis in die morphologische Lücke zwischen Australopithecus und Homo erectus gestellt wird, aus der Gattung Mensch heraus (Brandt 2023).
Trotzdem wird in der paläoanthropologischen Literatur weiterhin an der alten Klassifizierung festgehalten. Dieses Festhalten lässt nach Brandt (2023) nur eine Vermutung zu: Die morphologische Lücke zwischen Australopithecus und Homo überschreitet sonst die tolerierbare Grenze dessen, was man aus evolutionärer Sicht erwartet.
„Homo“ habilis/rudolfensis wird seit Jahrzehnten von vielen Paläoanthropologen als phylogenetisch vermittelnde Fossilgruppe zwischen den Australopithecinen und dem frühesten echten Menschen (Homo erectus) verstanden. Mit ihrer Rückstufung erscheint die Lücke zwischen den recht großaffenähnlichen Australomorphen, in deren erweitertes Formenspektrum auch „Homo“ habilis und rudolfensis gehören, und dem echten Menschen (Homo erectus und spätere Homo-Formen) größer. Auch für den Laien erkennbar ergibt sich damit eine Unterteilung der fossilen Homininen in zwei Gruppen: Einerseits menschenähnliche Formen, zu denen Homo erectus und die späteren Homo-Arten gehören, die in der Schöpfungsforschung dem Grundtyp Mensch zugeordnet werden, und andererseits großaffenähnliche Formen wie die Australopithecinen, die keine historisch-verwandtschaftliche Beziehung zum Menschen haben (Brandt 2023).
[Brandt M (2023) „Homo“ habilis war kein Mensch. Kluft zwischen fossilen Menschen und Menschenaffen größer geworden. In: Brandt M: Frühe Homininen. Studium Integrale Special, 2. erw. Aufl., 121–130 • Collard M & Wood B (2015) Defining the genus Homo. In: Henke W & Tattersall I (eds.) Handbook of paleoanthropology. Berlin, Heidelberg, 2107–2144 • Davies TW, Gunz P et al. (2024) Dental morphology in Homo habilisand its implications for the evolution of early Homo. Nature Communications 15:286 • Leakey LSB, Tobias PV & Napier J RA (1964) A new species of the genus Homo from Olduvai Gorge. Nature 202, 7–9 • Scholl B (2022) Homininen-Schädel: „Stolpersteine“ des Grundtypmodells? Eine schöpfungstheoretische Deutung der Funde von Dmanisi. W+W Special Paper B-22-1, https://www.wort-und-wissen.org/artikel/homininen-schaedel/ • Tobias PV (1992) The species Homo habilis: Example of a premature discovery. Ann. Zool. Fennici 28, 371–380 • Wood B & Collard M (1999) The human genus. Science 284, 65–71]
Abb. 1 (Introbild) Aufbau des Zahnes. (Grafik: Benjamin Scholl nach Uwemuell, Public Domain)
Nach der Entdeckung von Fossilien in der Olduvai-Schlucht in Tansania schlugen Leakey et al. (1964) die neue Art Homo habilis vor und stellten sie in die morphologische (körperbauliche) Lücke zwischen Australopithecus und Homo erectus. Homo habilis wird seitdem vielfach als erster Homo (Mensch) popularisiert, doch war und ist Homo habilis seit seiner Erstbeschreibung ein umstrittenes Taxon (Tobias 1992; vgl. Scholl 2022). Wegen der strittigen Einordnung wird im Folgenden Homo bei der Art habilis und auch rudolfensis in Anführungszeichen gesetzt.
Ein großer Teil der Überreste dieser Fossilgruppe besteht aus Zahnresten (vgl. Scholl 2022), die bisher jedoch nur anhand der oft abgenutzten Schmelzoberfläche untersucht worden sind. Davies et al. (2024) analysierten nun zum ersten Mal die innere Struktur der Zähne von „Homo“ habilis. Dabei untersuchten die Forscher die Morphologie der Dentinkrone unterhalb des Zahnschmelzes (s. Abb. 1), die bei mäßigem Zahnverschleiß erhalten und für die taxonomische Zuordnung von fossilen Homininen sehr aussagekräftig ist. Es wurden die Form sowie die Größe der Dentinkrone der Unter- und Oberkiefer-Zahnreihe von „Homo“ habilis bestimmt und mit zahlreichen anderen Homininen (Australopithecus, Homo erectus und späteren Homo-Funden) verglichen.
Davies et al. (2024) kamen zu dem Ergebnis, dass die Morphologie der Dentinkrone von „Homo“ habilis der von Australopithecus ähnelt und „primitiver“ ist als die von Homo erectus. Bei „Homo“ habilis existiert aber eine zahnmorphologische Variationsbreite, die über den von Davies et al. (2024) erwarteten Bereich einer Spezies hinausgeht. Das zu „Homo“ habilis gestellte Fossil OH 16 besitzt nämlich eine Anzahl Zahnmerkmale, die es von den anderen „Homo“-habilis-Funden trennt, aber auch nicht zu den frühen Homo-erectus-Funden stellt. Dies weist darauf hin, dass es sich bei „Homo“ habilis möglicherweise um mehr als eine Art handeln könnte.
Die Morphologie der Dentinkrone schließt „Homo“ habilis aus der Variationsbreite der Gattung Mensch aus. Dieser Befund steht im Einklang mit zahlreichen Untersuchungsergebnissen des Körperstamm- und Extremitätenskeletts, des Innenohres, des Kauapparates, der Ernährungsweise und auch des Musters der Kindheitsentwicklung (Brandt 2023). „Homo“ habilis wurde aufgrund vieler dieser Gründe von Wood & Collard (1999) und Collard & Wood (2015) aus der Gattung Homo ausgeschlossen. Diese beiden Autoren und andere Forscher nahmen auch „Homo“ rudolfensis, der wie „Homo“ habilis in die morphologische Lücke zwischen Australopithecus und Homo erectus gestellt wird, aus der Gattung Mensch heraus (Brandt 2023).
Trotzdem wird in der paläoanthropologischen Literatur weiterhin an der alten Klassifizierung festgehalten. Dieses Festhalten lässt nach Brandt (2023) nur eine Vermutung zu: Die morphologische Lücke zwischen Australopithecus und Homo überschreitet sonst die tolerierbare Grenze dessen, was man aus evolutionärer Sicht erwartet.
„Homo“ habilis/rudolfensis wird seit Jahrzehnten von vielen Paläoanthropologen als phylogenetisch vermittelnde Fossilgruppe zwischen den Australopithecinen und dem frühesten echten Menschen (Homo erectus) verstanden. Mit ihrer Rückstufung erscheint die Lücke zwischen den recht großaffenähnlichen Australomorphen, in deren erweitertes Formenspektrum auch „Homo“ habilis und rudolfensis gehören, und dem echten Menschen (Homo erectus und spätere Homo-Formen) größer. Auch für den Laien erkennbar ergibt sich damit eine Unterteilung der fossilen Homininen in zwei Gruppen: Einerseits menschenähnliche Formen, zu denen Homo erectus und die späteren Homo-Arten gehören, die in der Schöpfungsforschung dem Grundtyp Mensch zugeordnet werden, und andererseits großaffenähnliche Formen wie die Australopithecinen, die keine historisch-verwandtschaftliche Beziehung zum Menschen haben (Brandt 2023).
[Brandt M (2023) „Homo“ habilis war kein Mensch. Kluft zwischen fossilen Menschen und Menschenaffen größer geworden. In: Brandt M: Frühe Homininen. Studium Integrale Special, 2. erw. Aufl., 121–130 • Collard M & Wood B (2015) Defining the genus Homo. In: Henke W & Tattersall I (eds.) Handbook of paleoanthropology. Berlin, Heidelberg, 2107–2144 • Davies TW, Gunz P et al. (2024) Dental morphology in Homo habilisand its implications for the evolution of early Homo. Nature Communications 15:286 • Leakey LSB, Tobias PV & Napier J RA (1964) A new species of the genus Homo from Olduvai Gorge. Nature 202, 7–9 • Scholl B (2022) Homininen-Schädel: „Stolpersteine“ des Grundtypmodells? Eine schöpfungstheoretische Deutung der Funde von Dmanisi. W+W Special Paper B-22-1, https://www.wort-und-wissen.org/artikel/homininen-schaedel/ • Tobias PV (1992) The species Homo habilis: Example of a premature discovery. Ann. Zool. Fennici 28, 371–380 • Wood B & Collard M (1999) The human genus. Science 284, 65–71]