Die Illusion des Alters

Die Rolle sumerisch-akkadischer Übersetzungen in der alttestamentlichen Forschung

Autor/innen

  • Luis Sáenz
2026-02-05

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Im alten Mesopotamien war das Alter von Texten entscheidend für die Autorität eines Wissensgebiets. Im 1. Jahrtausend v. Chr. versuchten Gelehrte, die Wahrsagekunst durch Übersetzungen ins altehrwürdige Sumerische alt aussehen zu lassen, was jedoch nur teilweise gelang. Dies wirft die Frage auf, ob alttestamentliche Texte durch spätere Redaktionen ebenfalls alt aussehen könnten, ohne dass wir es heute bemerken würden.

Introbild AI-generiertes Bild eines akkadischen Sterndeuters vor dem Sternenhimmel. Akkadische Wahrsager versuchten, ihren akkadischen astronomischen Omina (= Omen) größere Bedeutung zu verleihen, indem sie diese ins ältere Sumerisch übersetzten. (Scholl nach Adobe Stock)

Kompakt

Dieser Artikel untersucht die zweisprachigen Vorzeichen (Wahrsage-Literatur) aus dem alten Mesopotamien, die eine Übersetzung vom Akkadischen ins Sumerische darstellen. Ein zentraler Aspekt ist die linguistische Analyse dieser Übersetzungen, um zu verstehen, wie und warum akkadische Texte ins Sumerische übersetzt wurden, obwohl Sumerisch zu dieser Zeit bereits als gesprochene Sprache ausgestorben war. Es wird diskutiert, welche Bedeutung diese Übersetzungen für die Bibelkritik haben. Denn häufig wird behauptet, dass Texte des Alten Testaments erst spät entstanden und damit keine verlässlichen Zeugnisse seien. Die mesopotamische Übersetzungstradition zeigt jedoch, dass sprachliche Auffälligkeiten stets Hinweise auf die tatsächliche Entstehungszeit eines Textes liefern können. Vermeintliche Spätdatierungen biblischer Texte müssten also sprachwissenschaftlich gut begründet werden.

Einleitung

Die folgenden Zeilen aus dem mesopotamischen diagnostischen Handbuch aus der neubabylonischen Zeit (etwa Mitte des 6. Jh. v. Chr.) beschreiben die aussichtslose Diagnose eines Kranken:

Tukumbe Lu Tura

§ 4

7 tukum-be₂ igi-ni maaḫ a-ab-suḫ-suḫ-a

u₃ šu-be₂ su-ni maḫ-bi ma-tag-tag-ge₂₀

lu₂-tu-ra-bi nu-ti-e

8 šummaīnāšumādišuballaṣ u qassu

zumuršu mādiš ulappat marṣa šū ul iballuṭ

„Wenn seine Augen stark hervortreten und seine Hand seinen Körper häufig berührt, wird dieser Kranke nicht genesen.“

Die Diagnose ist eindeutig. Der Kranke hat keine Hoffnung mehr. Interessanter aber als die Diagnose sind die sprachwissenschaftlichen Aspekte, die Übersetzung und die möglichen Auswirkungen auf die Erforschung des Alten Testaments.

Um diese Aspekte zu verstehen, werden zunächst einige Fachbegriffe und Konventionen der Assyriologie und der Keilschrift eingeführt. Anschließend werden Vorzeichen der mesopotamischen Wahrsagekunst betrachtet – der Schwerpunkt liegt dabei auf den Vorzeichen, bei denen versucht wurde, mit Akkadisch das im 1. Jt. v. Chr. bereits tote Sumerisch nachzuahmen, um dem Text Würde und Alter zu verleihen. Sprachwissenschaftliche Auffälligkeiten verraten aber, dass die Verfasser dieser Texte keine sumerischen Muttersprachler waren. Da künstlich als alt dargestellte Texte entlarvt werden können, muss die Hypothese einer späten Textentstehung also stets durch sprachliche Belege nachgewiesen werden.

Figure 1. Abb. 1 Die sogenannte Venustafel von Ammișduqa stammt aus der Bibliothek von Aššurbanipal in Ninive (7. Jahrhundert v. Chr.) und befindet sich heute im Britischen Museum (K 160). Diese Tafel ist Teil der Serie astrologischer Omina (siehe „Serialisierung mesopotamischer Omina“) und enthält Vorhersagen, die sich auf den Planeten Venus beziehen. Die Omina geben Auskünfte über zukünftige Ernten, Wetterverhältnisse, Nahrung usw. Die Venustafel wird ursprünglich mit König Ammișaduqa (ca. 1646–1626 v. Chr.) in Verbindung gebracht, da ein Omen auf sein achtes Regierungsjahr hinweist. (Wikimedia: Fæ, CC BY-SA 3.0)

Keilschrift

Im Alten Orient wurde eine Schrift durch Eindrücke mit einem Griffel auf noch feuchten Tontafeln entwickelt. Diese Schrift ist heute als Keilschrift bekannt. Sie wurde vermutlich von den Sumerern in der zweiten Hälfte des 4. Jt. v. Chr. im südlichen Mesopotamien (dem heutigen Süd-Irak) erfunden und stellt eines der frühesten Schriftsysteme dar (Krebernik 2002, 1). Von einem System aus Bildzeichen (Piktogrammen) entwickelte sie sich zu einem gemischten System aus Schriftzeichen (Logogrammen), Silbenzeichen (Phonogrammen) und Klassifikatoren, also Zeichen, die ein Bedeutungsfeld für Sachen oder Personen angeben. Dieses Schriftsystem war bis zum 1. Jh. n. Chr. in Gebrauch, wobei die jüngste bekannte Keilschrifttafel auf das Jahr 75 n. Chr. datiert ist (Sachs 1976). Die Keilschrift verbreitete sich im gesamten Alten Vorderen Orient (auch in anderen Sprachen), was dazu führte, dass man Texte in Keilschrift unter anderem in den Gebieten der heutigen Länder Türkei, Ägypten, Irak, Iran und Israel findet.

Eine der Eigenschaften der Keilschrift ist die Mehrdeutigkeit. Das heißt, dass ein Zeichen mehrere Lautwerte haben kann. Die korrekte Wahl hängt vom Kontext ab. Das Zeichen a

( ) zum Beispiel kann als Lautwert „a, ea, duru5, ebir3“ usw. haben – insgesamt hat es bis zu 24 Lautwerte (siehe electronic Babylonian Library, sign A).

Es kann auch mehrere Zeichen für denselben Lautwert geben. Um sie zu unterscheiden, werden tiefergestellte Ziffern verwendet:

Umschrift

In der eingangs zitierten Passage handelt es sich um eine Umschrift in lateinischer Schrift aus dem keilschriftlichen Text. Die Zeile 7 ist auf Sumerisch und Zeile 8 auf Akkadisch geschrieben. Um sie formell zu unterscheiden, ist es in der Assyriologie üblich, für das Sumerische eine normale Schriftvariante oder eine serifenlose Schrift zu verwenden, während für das Akkadische eine Kursivschrift genutzt wird. Logogramme werden mit Kapitälchen bzw. Großbuchstaben geschrieben und Klassifikatoren hochgestellt (siehe das Beispiel im Abschnitt Mesopotamische Omina). Im Originaltext in Keilschrift ist die Einrückung der akkadischen Zeile das einzige Merkmal, welches das Sumerische vom Akkadischen unterscheidet.

Sumerische Sprache

Das alte Mesopotamien war zwar ein Ort der Mehrsprachigkeit, allerdings waren dort zwei Sprachen besonders dominant: Sumerisch im Süden und Akkadisch im Norden. Sumerisch ist eine isolierte Sprache, was bedeutet, dass sie mit keiner anderen bekannten Sprache verwandt ist. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Sprache der ersten Texte aus der zweiten Hälfte des 4. Jt. v. Chr. bis zum 3. Jt. v. Chr. Sumerisch ist, allerdings lassen sich hinter den Logogrammen nicht eindeutig sumerische Wörter identifizieren. Mit Sicherheit ist Sumerisch in Texten ab dem 28. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar (Sallaberger 2004, 108f) und bis zum Ende der Keilschriftkultur um die Zeitenwende belegt. Allerdings hörte das Sumerische etwa in der zweiten Hälfte des 2. Jt. v. Chr. allmählich auf, eine gesprochene Sprache zu sein, wurde durch das Akkadische ersetzt und entwickelte sich zu einer liturgischen bzw. Gelehrten-Sprache (Maul 1997, 253).

Was die Sprachtypologie betrifft, ist das Sumerische eine agglutinierende Sprache. Das bedeutet, dass grammatikalische Funktionen – wie Person, Zeit, Kasus usw. – durch das Anfügen von Vor- und Nachsilben (Präfixen und Suffixen) ausgedrückt werden, ähnlich wie im Türkischen, Finnischen oder Quechua (Südamerika).

Akkadische Sprache

Die zweite Sprache von Interesse ist das Akkadische, eine semitische Sprache, die ihren Ursprung im nördlichen Mesopotamien hat. Als Mitglied der semitischen Sprachfamilie ist sie mit Arabisch, Aramäisch und Hebräisch verwandt und beinhaltet die beiden Dialekte Assyrisch und Babylonisch. Im Gegensatz zum Sumerischen ist das Akkadische, was die Sprachtypologie betrifft, eine flektierende Sprache1, ähnlich dem Deutschen und anderen indoeuropäischen Sprachen. In semitischen Sprachen betrifft die Flexion jedoch vor allem das Verb. Akkadisch ist erstmals um das 26. Jahrhundert v. Chr. belegt (Streck 2021, 66), etwa zu der Zeit, als das Sumerische aufhörte, eine lebendige Sprache zu sein. Es blieb bis zum Ende der Keilschriftkultur in Gebrauch, wobei die jüngste bekannte Keilschrifttafel (datiert auf das Jahr 75 n. Chr.) auf Akkadisch verfasst wurde. Obwohl es noch umstritten ist, wird allgemein angenommen, dass das Akkadische bis Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. allmählich durch das Aramäische als gesprochene Sprache ersetzt wurde, während es als Schrift- und Gelehrtensprache fortbestand (Hackl 2021, 1461). Während dieser Zeit wurde die Keilschrift auch schrittweise durch die aramäische Schrift ersetzt.

Sumerisch-Akkadische ­Sprachkontakte

Die sehr unterschiedlichen Sprachen Sumerisch und Akkadisch standen jedoch im regen Kontakt – seit den Anfängen der schriftlichen Überlieferung und sicherlich auch davor. Bereits in den ersten sumerischen Texten, den Verwaltungstexten, kann man akkadische Namen finden (Krebernik 2002, 1f,  Anm. 1). Zur Zeit des Königs Sargon von Akkad (2356–2300 v. Chr. nach der mittleren Chronologie) tauchen die ersten Texte in akkadischer Sprache in Keilschrift auf (Streck 2021, 66). In dieser Zeit begann jedoch ein langsamer Sterbeprozess des Sumerischen, der zur Folge hatte, dass die Sprache um 1800 v. Chr. zur Zeit der altbabylonischen Periode bereits als tot galt, obwohl sie insbesondere von akkadischen Gelehrten noch benutzt wurde.

Übersetzungen im Alten ­Mesopotamien

Als das Sumerische langsam zu verschwinden begann, tauchten die ersten zweisprachigen Texte auf (George 2009, 110f). Diese Übersetzungen sind Ergebnisse von Schulausbildung bzw. wissenschaftlichen Aktivitäten. Bereits in dieser Zeit finden wir das Konzept einer vollständigen Übersetzbarkeit zwischen Sumerisch und Akkadisch. Außerdem gibt es sumerische Texte, die versuchen, die akkadische Grammatik zu imitieren (George 2009, 107). Andrew George (2009, 111) legt daher nahe, dass die übersetzerischen Aktivitäten in dieser Periode den Eindruck erwecken, babylonische Gelehrte würden glauben, es gebe keinen sumerischen Text ohne eine akkadische Version. Das hatte zur Folge, dass ein Großteil der literarischen Werke sowohl in einer sumerischen als auch in einer akkadischen oder in einer zweisprachigen Version vorlag. Eine auffällige Ausnahme bildet jedoch die Wahrsagekunstliteratur, deren schriftliche Zeugnisse nur im Akkadischen überliefert sind.

Abgesehen von Wahrsageliteratur lag ein Großteil der literarischen Werke sowohl in Sumerisch als auch in Akkadisch vor.

Wahrsagekunst im Alten ­Mesopotamien

Über die Ursprünge der mesopotamischen Wahrsagekunst (Divination) lässt sich nur spekulieren. Generell liegt ihr jedoch die Idee zugrunde, dass alle Wesen und das gesamte Geschehen in der Welt dem göttlichen Willen unterworfen sind. Die mesopotamische Wahrsage-

kunst kann also als die Praxis der Erkennung des göttlichen Willens und der Vorhersage zukünftiger Ereignisse, die mit dieser Erkennung verbunden sind, verstanden werden (Maul 2006).

Daher entwickelten mesopotamische Gelehrte verschiedene und zahlreiche Techniken zur Divination und produzierten gleichzeitig eine reiche schriftliche Tradition in diesem Bereich (Maul 1997, 265). Die schriftliche Überlieferung der mesopotamischen Wahrsagekunst reicht bis zu zweitausend Jahre v. Chr. zurück, stammt aus der altbabylonischen Zeit und ist ausschließlich auf Akkadisch verfasst. Ein Großteil der erhaltenen Texte stammt jedoch aus dem 1. Jt. v. Chr. (Koch 2015, 59).

Vor der akkadischen Verschriftlichung der Divination ist jedoch anzunehmen, dass eine mündliche Überlieferung existierte. Es gibt Hinweise darauf, dass die Divination auch in sumerischer Sprache praktiziert wurde, allerdings sind keine Divinationstexte in Sumerisch bekannt. Ob andere Sprachen für die Wahrsagekunst ebenfalls eine Rolle spielten, lässt sich nicht belegen.

Figure 2. Abb. 2 Der Konsul Publius Decius Mus (3. / 4. Jh. v. Chr.) befragt die Haruspizien, die in der Leber eines Stiers nach der Antwort der Götter suchen. So stellte sich der niederländische Künstler Peter Paul Rubens in seinem Werk „Das Deuten der Omen“ (1616/1617 n. Chr.) das Wahrsagen in der Antike vor. Obwohl Wahrsagen im Juden- und Christentum aufgrund des biblischen Gebots verboten ist (z. B. 3. Mose 19,31), ist es in historischer Zeit in quasi allen Gesellschaften praktiziert worden. (Public Domain)

Mesopotamische Omina

Die mesopotamische Wahrsagekunst besteht aus Vorzeichen, also Omina (Einzahl: Omen). Aus sprachwissenschaftlicher Sicht ist ein Omen die kleinste bedeutungstragende Einheit im Divinationsverfahren. Es handelt sich um einen Bedingungssatz, der ein als günstig oder ungünstig interpretiertes Naturzeichen und dessen mögliche Folgen in der Zukunft oder Gegenwart beschreibt. Das Omen folgt immer einem bestimmten Muster:

»Wenn X, (dann) Y.«

Dieses Muster besteht aus drei Elementen:

1)Die Einführungspartikel wenn,

2)X: eine Protase (Vordersatz) und

3)Y: eine Apodose (Hintersatz).

Die Protase stellt die Bedingung dar, also die Voraussetzung eines Falles, während die Apodose die Folge bzw. die Interpretation der Voraussetzung ist.  Als Beispiel ein astrologisches Omen, das auf Akkadisch verfasst wurde (für Details: siehe Online-Material A1):

BPO 2 XVII (Reiner 1981, 76f)

8 diš mulugamušen mul.bi ma-diš sa₅ buru₁₄ še.ĝeš.i₃ si.sa₂

„Wenn [Einführungspartikel] die Vordersterne vom (Sternbild) „Rabe“ sehr rot sind [Protase], wird die Ernte von Sesam in Ordnung sein [Apodose].“

Eine solche Struktur ist nicht exklusiv für die Ominaliteratur, sondern findet sich auch in der Rechtsliteratur, wie im Codex Hammurapi (18. Jh. v. Chr.). Dies ist wahrscheinlich auf den Bedarf an Gesetzmäßigkeit im Genre der Omina zurückzuführen, für den diese Struktur besonders geeignet ist (Maul 2003, 46).

Serialisierung mesopotamischer Omina

Omina wurden von den mesopotamischen Gelehrten systematisch in Serien geordnet und nach Kategorien sortiert (zur Serialisierung siehe Maul 2003 und Koch 2015). Für den vorliegenden Artikel relevant sind (siehe Online-Material A2):

1. Die Serie der astrologischen Omina beschäftigt sich mit Sternen, Planeten, Mond, Sonne sowie Wind- und Wetterphänomenen. Sie liefern Prognosen, die sich hauptsächlich auf das Gemeinwesen, den König, die Kriegsführung und die Ernteaussichten beziehen. Ihre Verwendung ist in der altbabylonischen Zeit nur spärlich belegt; im 1. Jt. v. Chr. wurden sie standardisiert und zu einer Serie zusammengefasst.

2. Die terrestrischen Omina beziehen sich auf die menschliche Umwelt und alltägliche Phänomene – wie das Verhalten von Tieren und Menschen, auffällige Erscheinungen im und am Haus sowie außergewöhnliche Merkmale in der Pflanzenwelt. Die Mehrheit dieser Omina behandelt private Angelegenheiten und bezieht sich oft auf die Person, die das auffällige Phänomen beobachtet, sowie auf ihre unmittelbare Umgebung. Die ersten schriftlichen Zeugnisse dieser Omina stammen aus der altbabylonischen Zeit; Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. wurde dann eine standardisierte Version erstellt.

3. Diagnostische Omina konzentrieren sich auf die Symptome eines Kranken und auffällige Erscheinungen, die auf dem Weg zum Kranken auftreten. Sie sollen der Diagnose von Krankheiten, der Prognose des Krankheitsverlaufs und der Identifizierung der Krankheitsursachen dienen. Die ersten schriftlichen Zeugnisse dieser Omina stammen aus der altbabylonischen Zeit. Ende des 2. Jt. v. Chr. ordnete sie dann der Gelehrte Esagil-kīn-apli im Auftrag des babylonischen Königs Adad-apla-iddina.

Figure 3. Abb. 3 Oberes Ende der Stele des Codex Hammurapi (links: König Hammurapi, rechts: der Gott Šamaš). Die Keilschriftzeichen unten haben eine Form und Schreibrichtung, die zur Zeit Hammurapis (1792–1750 v. Chr.) archaisch waren. Hammurapi versuchte so, sich in eine alte Tradition einzufügen. (Wikimedia: Mbzt, CC BY 3.0)

Wahrsagekunst auf Sumerisch

Wie bereits erwähnt, ist die mesopotamische Divinationsliteratur ausschließlich in Akkadisch überliefert. Studien haben nämlich gezeigt, dass – obwohl Begriffe und insbesondere Berufsbezeichnungen in Sumerisch belegt sind (Falkenstein 1966; Richardson 2006; Römer 1986) – keine divinatorischen Texte auf Sumerisch existieren.

Erst im 1. Jt. n. Chr. tauchten die ersten sumerischen Omina mit einer akkadischen Übersetzung auf – also über 1000 Jahre, nachdem die ersten Omina auf Akkadisch niedergeschrieben worden waren. Diese Omina waren bereits im Jahr 1976 bekannt (Hunger 1976, 90). Da die mesopotamische Wahrsagungsliteratur jedoch ausschließlich auf Akkadisch überliefert ist, wurde das Thema der sumerischen bzw. sumerisch-akkadischen Omina bisher nur am Rande in Fußnoten und kleinen Kommentaren erwähnt.

Diese Omina bilden das Thema meiner Dissertation (Saenz, in Vorbereitung). Das Ziel der Arbeit ist es, eine erste vollständige Edition aller bisher bekannten sumerischen bzw. sumerisch-akkadischen Omina zu erstellen, um sie innerhalb der mesopotamischen Divination zu verorten und ihre Beziehung zu anderen Texten zu untersuchen. Zu diesem Zweck habe ich eine philologische Edition erarbeitet. Dabei stellte sich heraus, dass sich diese Omina in vier Gruppen unterteilen lassen, die sich gleichzeitig in den oben beschriebenen Serien verorten lassen (mehr dazu im Online-Material A3):

1. Das zweisprachige Omenkompendium:Es handelt sich um einen Text mit 18 sumerisch-akkadischen astrologischen Omina über Sternbilder.

2. TukumbeGugal: Dieser Text mit zehn Omina handelt vom Kaufverhalten des Königs, das entweder als positiv oder negativ betrachtet wird.

3. TukumbeLuUšaseIĝen: Die Anzahl der Omina dieses Textes über das Verhalten eines Mannes beim Schlafen ist unklar.

4. TukumbeLuTura: Auch hier ist die Anzahl der Omina dieses Textes über diagnostische Omina, die einen tödlichen Ausgang vorhersagen, nicht bekannt.

Sumerische Übersetzungen von Omina

Wie bereits erwähnt, sind die sumerischen Übersetzungen der Omina die Ergebnisse von Schulausbildung und wissenschaftlichen Aktivitäten. Zur Zeit der Entstehung dieser Omina war das Sumerische jedoch bereits seit über 1000 Jahren ausgestorben. Daher hinterließen die langen Zeiträume ihre Spuren in den produzierten sumerischen Texten. Schauen wir uns einige Fälle an:

Sumerische Syntax

In allen sumerischen Omina ist zu beobachten, dass sich die Syntax vollständig der akkadischen angeglichen hat. Dies lässt sich am in der Einleitung erwähnten Omen namens TukumbeLuTura deutlich erkennen – dabei ist die Satzstellung in der Übersetzung auffällig: Die obere Zeile ist die Übersetzung ins Sumerische und die untere entstammt der Akkadischen Sprache:

In diesem und allen anderen Omina ist erkennbar, dass die Wörter im Sumerischen und Akkadischen dieselbe syntaktische Position im Satz einnehmen. Das bedeutet, dass ein sumerisches Substantiv durch ein akkadisches Substantiv ersetzt wird, ein sumerisches Verb durch ein akkadisches Verb, ein sumerisches Adverb durch ein akkadisches Adverb und so weiter, wobei die Position im Satz immer gleich bleibt. Die akkadische Satzstruktur ist dabei maßgebend. Dies verdeutlicht, wie künstlich die sumerische Syntax in diesen Omina gestaltet ist.

Sumerische Verben

In den sumerischen Omina sind die Verben schwierig zu erklären. In einem sumerischen Omen aus dem zweisprachigen Omenkompendium finden wir den folgenden Fall:

Die Verbform si-sa₂ am Ende des Omens wird mit dem akkadischen iššir übersetzt, was so viel wie „es wird in Ordnung sein“ bedeutet. Während das Akkadische klar interpretierbar ist, fehlen der sumerischen Verbform si-sa₂ jegliche Hinweise auf Person, Anzahl, Zeit, Modus usw. Sie stellt praktisch nur eine reine Verbalwurzel dar.

Im Korpus der Verhaltensomina über den König (TukumbeGugal) finden wir den folgen-

den interessanten Fall:

Das sumerische Verb sa₁₀-sa₁₀-da wird mit dem akkadischen išām übersetzt, was „er (der König) kauft“ bedeutet. Problematisch ist jedoch, dass die sumerische Verbform eigentlich ein Partizip ist, während in der akkadischen Version eine finite Verbform verwendet wird. Nach den Regeln der sumerischen Grammatik wäre hier eine finite Verbform zu erwarten.

Auch in dem in der Einleitung erwähnten Omen (TukumbeLuTura) ist eine Verbform schwer zu erklären (s. Online-Material A4).

Neuschöpfung

Es gibt Fälle, in denen neue Wörter erschaffen wurden. Bei einer bisher unerwähnten Tafel (­Saenz,

in Vorbereitung) handelt es sich um einen Kommentar, in dem versucht wird, astrologische Omina mit sumerischen Entsprechungen zu versehen. Dort finden wir folgende Entsprechung:

K 2286 Vs. 8’-9’

8’ diš miš-ḫu₃ lu₂ mul⌜ag₂⌝-a[n-na …]9’ mišḫu ša dṣalbata[nu …]

Dieses Omen ist nicht vollständig erhalten. Dennoch kann man erkennen, dass das Wort miš₂-ḫu₃ mit mišḫu gleichgesetzt wird, was auf eine Art himmlische Lichterscheinung wie einen Meteor2 oder eine Lichtspiegelung (Reiner & Pingree 1981, 19) hindeutet. Auffällig ist jedoch, dass mišḫu nur im Akkadischen bekannt ist und keine sumerische Entsprechung hat. Das bedeutet, dass miš₂-ḫu₃ für diesen Text erfunden wurde. Auffällig ist auch, dass es phonetisch dem Akkadischen sehr nahesteht und eigentlich mit den Zeichen meš und u geschrieben wird. Der Lautwert miš₂ von meš ist nicht weiter problematisch, aber der Lautwert ḫu₃ von u ist sehr selten und anscheinend nur im 1. Jt. belegt (siehe Abschnitt Keilschrift). Die Gelehrten versuchten also, eine Art sumerische Wortherkunft zu erschaffen, indem sie das akkadische Wort durch eine ungewöhnliche Schreibung sumerisch aussehen ließen. Ein weiteres Beispiel findet sich im Online-Material A5.

Diese einzelnen Beispiele zeigen eindeutig, dass diese Übersetzungen zwar das Resultat akademischer Bemühungen sind, aber dennoch nicht immer erfolgreich waren.

Die „Rückübersetzungen“ von akkadischen Omina ins Sumerische erzeugten kein nach unseren Verständnis korrektes Sumerisch.

Figure 4. Abb. 4 Kopie der Vorderseite der neuassyrischen Tafel (um 8. Jh v. Chr.), die das „zweisprachige Omenkompendium“, d. h. sumerisch-akkadische Omina enthält (siehe Abschnitt „Wahrsagekunst auf Sumerisch“). Die Tafel wird im British Museum unter der Signaturnummer K 2241 aufbewahrt. Ein Foto von der Tafel ist abrufbar auf: https://www.britishmuseum.org/collection/object/W_K-2241. (Kopie Luis Saenz)

Figure 5. Abb. 5 Tonlebern aus dem 19. bis 18. Jh. v. Chr. aus Mari (Syrien) zum Zweck der Hieroskopie. (nach Wikimedia: Jastrow (2005), Gemeinfrei)

Warum wird übersetzt?

Alle diese Omina-Texte stammen aus dem 1. Jt. v. Chr. Diese Zeugnisse deuten auf einen akademischen Trend in dieser Zeit hin. Daher ist es von besonderem Interesse, warum die Gelehrten sich damals dem Unterfangen widmeten, akkadische Omina ins Sumerische zu übertragen.

Sumerisches Prestige

Andrew George (2009, 107) hat auf die Frage nach dem Zweck der Übersetzungen ins Sumerische geantwortet, dass eine sumerische Version eines akkadischen Textes das Prestige erhöht, welches der alten Sprache, in diesem Fall dem Sumerischen, zugeschrieben wird. Dabei galt das Sumerische als Sprache der Liturgie und des Kultes – dem Göttlichen näher als das Akkadische. Schon in der altbabylonischen Zeit galt Sumerisch als Sprache der Gelehrsamkeit. Aus dieser Epoche stammen die ersten Belege für zweisprachige Texte. Wenn man akkadische Omina mit einer sumerischen Version versieht, erhalten sie das Prestige des Sumerischen. Sie werden in eine althergebrachte Tradition eingebettet und somit wird ihre Natur als göttliche Offenbarung verstärkt. Das impliziert auch, dass diese Divinationsverfahren (astrologische, terrestrische und medizinische Omina) als genauso würdig oder sogar würdiger als alle anderen Divinationsverfahren angesehen werden sollen, wie beispielsweise die Hepatoskopie (Leberschau), für die es anscheinend keine sumerische Vorlage gibt. Bei der vermeintlichen „Rückübersetzung“ von akkadischen Omina ins Sumerische handelt es sich also um eine nachträgliche Autoritätszuschreibung (siehe Online-Material A6).

Vollumfängliche Übersetzbarkeit

Mesopotamische Gelehrte strebten, beginnend mit der altbabylonischen Zeit – zu einem Zeitpunkt, als das Sumerische bereits als gesprochene Sprache ausgestorben war – nach einer vollständigen sprachlichen Entsprechung zwischen dem Sumerischen und Akkadischen. Die sumerisch-akkadische Symbiose wurde derart intensiviert, dass beide Sprachen als vollständig in die jeweils andere übersetzbar betrachtet wurden. Im 1. Jt. v. Chr. wurden sie daher als zwei Manifestationen einer einzigen Sprache gesehen, vergleichbar mit den zwei Seiten einer Münze. Die Botschaften der Götter manifestieren dieselbe Sprache, nur in zwei unterschiedlichen Codierungen – trotz manch künstlich wirkender Verbalformen.

Im 1. Jahrtausend v. Chr. wurden Sumerisch und Akkadisch als zwei Manifestationen einer einzigen ­Sprache gesehen.

Kampf um die Vorherrschaft?

Stefan Maul (2013) veranschaulicht im Kapitel „Der Aufstieg der Babylonischen Sternkunde“ aus seinem Werk „Die Wahrsagekunst im Alten Orient“ überzeugend, dass die astrologische Divination aufgrund der himmlischen Zeichen, die bei klarem Himmel stets und überall sichtbar sind, zu einem führenden Mittel der Vorhersage wurde. Im 1. Jt. v. Chr., in der Zeit, in der die zweisprachigen Omina entstanden sind, dominierte die Hepatoskopie (Leberschau) als wichtigeres Divinationsverfahren. Doch in dieser Epoche gewinnt die Astrologie als ergänzende Methode zur Hepatoskopie allmählich an Bedeutung und etabliert sich schließlich als das vorrangige Divinationsverfahren.

Die astrologischen zweisprachigen Omina als Verankerung in einer hypothetischen älteren sumerischen Tradition könnten somit zu einem der Schauplätze geworden sein, auf denen der Kampf um die Vorherrschaft der Divinationsverfahren ausgetragen wurde, um zu entscheiden, wer Macht und Einfluss am Königshof besitzt.

Fazit

Wie gezeigt wurde, sind die Verbalformen in den vom Akkadischen ins Sumerische übersetzten Omina äußerst problematisch und lassen sich nur mit großer Mühe erklären. Substantive und Adverbien werden eigens erfunden, und die Syntax des Sumerischen wird dem Akkadischen nachgebildet. Diese Beispiele zeigen, dass die genaue Kenntnis von Grammatik und Formlehre hierbei nicht im Vordergrund stand. Stattdessen ging es darum, einen Text als sumerisch und damit als alt erscheinen zu lassen. Diese Erscheinungen lassen sich übrigens nicht nur in diesen Omina beobachten, sondern auch in der gesamten zweisprachigen Literatur Mesopotamiens.

Gleichzeitig zeigt sich, dass es eine große Herausforderung darstellt, einen Text zu produzieren, der alt erscheinen soll. Die zweisprachigen Omina verdeutlichen, dass die Kenntnisse einer Sprache, die nicht mehr gesprochen wird, mit der Zeit nachlassen können und dass die Tendenz besteht, dass sich die tote Sprache der gesprochenen Sprache anpasst. Man kann also nicht einfach so das Alter eines Textes verfälschen – auch nicht im Altertum.

Es ist kaum möglich, einen Text so zu produzieren, dass er deutlich älter erscheinen soll, als er ist – auch im Altertum war das schwierig .

Diese Erkenntnis ist von besonderer Bedeutung für die biblischen Texte und die Bibelkritik, insbesondere im Hinblick auf die sowohl in säkularen als auch in theologischen Kreisen weit verbreitete Meinung, dass mehrere Bücher des Alten Testaments erst später in der Zeit um das babylonische Exil (7. bis 6. Jh. v. Chr.) oder gar erst in hellenistischer Zeit (ab 323 v. Chr.) entstanden seien (diese Thematik diskutiert z. B. Kitchen 1965). Die zweisprachigen Omina zeigen nun aber beispielhaft, dass es ein sehr schwieriges Unterfangen ist, einen Text authentisch alt wirken zu lassen. Grammatik, Satzstellung und grammatikalische Kategorien sowie Verbformen müssen korrekt sein. Der Nachweis, dass ein Text als solches nicht authentisch alt ist, sollte daher sprachwissenschaftlich konkret demonstriert werden. Dies verlangt den Vertretern der Spätdatierung biblischer Bücher ab, ihre Thesen auch sprachwissenschaftlich gründlich zu untermauern. Allerdings ist dabei zu beachten, dass spätere Revisionsprozesse bzw. sprachliche Aktualisierungen einen tatsächlich alten Text punktuell jünger erscheinen lassen können – was dieses Thema so überaus komplex macht und somit zu weiteren, vertiefenden Studien einlädt.

Weitere Infos im Online-Material unter www.si-journal.de/jg31/heft2/illusion-alter.pdf.

Anmerkungen

1 D. i. eine Sprache mit Wortstammänderungen.

2 von Soden 623, unter dem Wort mašāḫu; Oppenheim & Rainer et al. M/1, 354, unter dem Wort mašāḫu.

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Streck MP (2021) Akkadian and Cuneiform. In: History of the Akkadian Language. Vol. 1. Brill, pp. 6–74.

von Soden W (1965/1972/1981/1985) Akkadisches Handwörterbuch, 1–3. 2., um Hinweise auf die Nachträge vermehrte Aufl. Unter Mitarbeit von Werner Mayer. Wiesbaden: AnOr 33 (Roma).

Im alten Mesopotamien war das Alter von Texten entscheidend für die Autorität eines Wissensgebiets. Im 1. Jahrtausend v. Chr. versuchten Gelehrte, die Wahrsagekunst durch Übersetzungen ins altehrwürdige Sumerische alt aussehen zu lassen, was jedoch nur teilweise gelang. Dies wirft die Frage auf, ob alttestamentliche Texte durch spätere Redaktionen ebenfalls alt aussehen könnten, ohne dass wir es heute bemerken würden. 


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