Evo-Devo: Schlüssel für Makroevolution?

Teil 2: Wiederverwendung, Umfunktionierung und Neuprogrammierung

Autor/innen

  • Reinhard Junker
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2009-05-01
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Nach dem Evo-Devo-Ansatz sollen Kenntnisse über die Ontogenese (Individualentwicklung) für das Verständnis der Mechanismen der Makroevolution genutzt werden. Dazu werden verschiedene Mechanismen vorgeschlagen, die in diesem und dem nächsten Teil der Artikelserie über Evo-Devo vorgestellt und diskutiert werden sollen. In dieser Folge geht es um das Konzept der „Kooption“: Nicht nur die Neuentstehung von Genen und ihre allmähliche Änderung sollen demnach zu evolutionären Neuheiten führen, sondern Wiederverwendung, Umfunktionierung und Mehrfachnutzung schon vorhandener Gene in neuen Zusammenhängen. Man spricht auch von Neuprogrammierung und Rekrutierung. Die Idee, dass Evolution vielfach durch Kooptionen voranschreitet, ist vor allem durch vergleichende Studien begründet. Man weiß heute, dass viele Gene bzw. Proteine tatsächlich in unterschiedlichen Zusammenhängen genutzt werden. Die Frage nach den Mechanismen befindet sich aber bislang in einem sehr hypothetischen Stadium. Bei der Beschreibung der vermuteten Evolutionsprozesse wird ausgiebig Gebrauch von teleologischen (zielgerichteten) Vorgängen gemacht, obwohl es solche Prozesse in ungelenkten Abläufen gar nicht geben dürfte. Dies kann als Indiz dafür gewertet werden, dass eine Schöpfungsperspektive sinnvoll ist.

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