Die Zwergenmenschen – Genetische Isolation führt zur Bildung von „Hobbits“ auf indonesischer Insel

Autor/innen

  • Sigrid Hartwig-Scherer
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a85b57d78a3)
2005-05-01
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Ein winziger Mensch lebte zwischen maximal 95 000 und minimal 12 000 radiometrischen Jahren (rJ) auf der Insel Flores, Indonesien, zeitgleich mit Homo sapiens, der ab 55 000 rJ das Indonesische Archipel besiedelte. Wegen seiner kleinen Körpergröße und einiger besonderer Merkmale erteilten ihm die Finder den Status einer eigenen Art (H. floresiensis) und halten ihn für den Nachfahren eines in die Isolation geratenen Homo erectus.H. floresiensis demonstriert die enorme Variabilität des Grundtyps Homo. Gegen alle bisherigen Vorstellungen über Proportionsveränderungen (Allometrie-Regeln) lassen sie sich als eine rein isometrische „Schrumpfform“ eines H. erectus interpretieren, ähnlich der optisch verkleinerten Hobbits aus Tolkiens Fanatasieroman. Dies übersteigt bisherige Vorstellungen im Rahmen der Evolutionslehre – weniger die der Grundtypbiologie – bei weitem: sie besitzen mit weniger als 2/3 unserer Körpergröße nur etwas mehr als 1/4 (!) unseres Gehirnvolumens, entgegen jeder allometrischen Erwartung für ein menschliches Gehirn. Die Schädelkapazität liegt sogar knapp unter der der Australopithecinen mit vergleichbarer Körpergröße. Trotzdem zeichnen sie sich als intelligente Mitglieder der Gattung Homo aus, wie man es für einen Vertreter des Grundtyps Homo erwarten würde: Sie waren wahrscheinlich geschickte Jäger, die Gemeinschaftsjagd auf Riesenechsen und Minielefanten organisierten, sie beherrschten das Feuer, fabrizierten normal große Werkzeuge und lebten über viele Generationen auf der Insel Flores, bis ein Vulkanausbruch ihren Lebensraum zerstörte.

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