Sedimentbildung bei der Hochwasserkatastrophe im Erzgebirge (Sachsen)

Teil 2: Enorme Transportvorgänge im Flußbett der Müglitz zwischen Glashütte und Oberschlottwitz

Autor/innen

  • Manfred Stephan
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2004-05-01
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Beim Extremhochwasser im August 2002 wurden im Müglitz-Flußbett zwischen Glashütte und Oberschlottwitz (Erzgebirge) besonders starke Transportvorgänge beobachtet: Die geröllführende Basislage mit mehrere Dezimeter großen Blöcken ist sehr schlecht sortiert (1). Darüber folgen horizontalgeschichtete Sand- bis Grobkieslagen, die „schwimmende“ Einzelgerölle führen (2). Daraus geht eine zunehmend feinkörnigere, ebenfalls horizontalgeschichtete Sand-Feinkies-Wechselfolge hervor (3). Noch höher erfolgt der Umschlag in sandige Strömungsrippelschichten („kletternde Rippeln“; 4). Die Entstehung der gesamten Abfolge kann so interpretiert werden: Durch die extrem hohen Niederschläge bildete sich im Flußbett der Müglitz ein hochenergetischer, dünnflüssiger Dichtestrom mit extremer Turbulenz. Als Folge konnten die Sortierungsprozesse zunächst nicht mit der schnellen Ablagerung der groben Gerölle Schritt halten, so daß die z.T. enormen Geröllgrößen der Basislage abrupt und praktisch unsortiert abgesetzt wurden (1). Die nun folgende horizontalgeschichtete Sand-Grobkies-Wechselfolge (mit größeren Einzelgeröllen) wurde in abwechselnd grob- und feinkörnigeren Lagen abgesetzt (2); teilweise vergleichbare Sedimentbildung wurde im Strömungskanal simuliert. Die darüber liegenden horizontalgeschichteten Grob- bis Feinsande mit Feinkieslagen dürften ähnlich entstanden sein; dabei ging das Energieniveau weiter zurück (3). Der folgende Umschlag in „kletternde Rippeln“ belegt immer noch ziemlich hohen, nun aber reinen Sandtransport und weiter zurückgehende Strömungsgeschwindigkeit (4). Anschließend werden die Sedimentkörper (1) und (2) mit Grobschüttungen aus Oberkarbon, Unterperm und Untertrias verglichen. Bedeutsam ist, daß solche Sedimente der Erdvergangenheit mindestens ebenso rasch entstanden sind wie die im Müglitz-Flußbett. Jedoch kann im Unterschied zu heutigen Hochflutablagerungen die geographische Verbreitung entsprechender Sedimentgesteine sehr großräumig sein. Der moderne Ansatz, heutige Ablagerungsprozesse mit damaligen unreflektiert in Parallele zu setzen, ist sehr problematisch.

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