Übergangsform zwischen „Homo“ habilis und Homo erectus?

Neuer Fund aus Dmanisi, Georgen erhitzt die Gemüter

Autor/innen

  • Sigrid Hartwig-Scherer
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a8b4bacab2d)
2002-11-01
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In Dmanisi (Georgien) fand man neben den auf 1,75 MrJ datierten Schädeln von Homo erectus/ergaster (vgl. Hartwig-Scherer 2002) im gleichen zeitlichen Kontext einen weiteren, erstaunlich kompletten Schädel mit Unterkiefer. Es ist der kleinste und ursprünglichste Hominide, der jemals außerhalb Afrikas gefunden wurde. Er hat sich möglicherweise gemeinsam mit Homo erectus/ergaster, verschiedenen Säugetieren, vor allem Fleischfressern, als ganzes Ökosystem Richtung Norden ausgebreitet. Während die früher gefundenen Schädel Homo erectus/ergaster dem echten Menschen zugeordnet wurden, kann man bei dem Neufund vor allem im Gesicht eine starke Ähnlichkeit mit dem afrikanischen Schädel KMN-ER 1813 feststellen: dieser wird mit „Homo“ habilis in Verbindung gebracht, der vor wenigen Jahren in Australopithecus habilis umbenannt wurde. Das Gehirnvolumen des Neufundes liegt mit nur 600 ccm wesentlich unter dem der anderen Dmanisi-Schädel und innerhalb der Variationsbreite der A. habilis-rudolfensis-Gruppe. Entgegen dieser klaren Befunde haben die Beschreiber alle Formen aus Dmanisi als eine „primitive Homo erectus-Art“ zusammengestellt: diese sollen als „intermediäre“ Form außerhalb Afrikas zu den späteren Menschen übergeleitet haben. Anscheinend wird dieses Vorgehen von dem Wunsch nach einem „Zwischenglied“ zwischen den Australopithecinen und dem ersten Echten Menschen Homo erectus/ergaster geleitet. Dementsprechend suggeriert ein Kommentar mit der Bezeichnung „die Kleinen Leute“ von Dmanisi (Balter & Gibbons 2002) die Vorstellung, daß es sich auch bei der neuen Form um Echte Menschen der Gattung Homo handelt, obwohl die Befunde eher auf Australopithecinen hinweisen.

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