Die Datierung archäologischer Proben mittels Radiokarbon (14C)

Teil IIb. Die Kalibrierung von 14C-Altern: Die europäischen Eichenchronologien und weitere Langzeit-Dendrochronologien. Erweiterung der Kalibrierkurve ins Pleistozän

Autor/innen

  • Uwe Zerbst
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1999-05-01
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Die Isotopenverschiebung, d.h. die Veränderung des globalen 14C/12C-Verhältnisses über der Zeit (vgl. Teil I des vorliegenden Aufsatzes) macht eine nachträgliche Korrektur der gemessenen 14C-Alter nötig. Dies geschieht auf der Grundlage von Kalibrierkurven, die v.a. dendrochronologisch, d.h. mittels Baumringmethode gewonnen werden. In Teil IIa wurden bereits die grundlegende Arbeitsweise der Dendrochronologie und der Aufbau von 14C-Kalibrierkurven erläutert. Von besonderer Bedeutung waren die seit dem Ende der 60er Jahre entwickelten nordamerikanischen Borstenkiefernchronologien. Das entscheidende Argument für die unbedingte Zuverlässigkeit der Baumringchronologien, ihre unabhängige Reproduzierbarkeit, war mit Hinweis auf die übliche Vordatierung der Proben mittels 14C allerdings relativiert worden. Im vorliegenden Teil des Aufsatzes soll diesem Argument unter Einbeziehung der jüngeren europäischen Eichenchronologien weiter nachgegangen werden. Aufgrund der vergleichsweise großen Ringbreiten der Eichen erlaubten die europäischen Chronologien erstmals die Generierung von Hochpräzisions-Kalibrierkurven. Ihre besondere Bedeutung bestand aber v.a. darin, daß die auf ihnen aufbauenden Kalibrierkurven mit denen der nordamerikanischen Borstenkiefern praktisch zusammenfielen. Das kann nicht nur als eine weitere Bestätigung der prinzipiellen Richtigkeit der Kurven gelten, sondern ist auch ein starkes Indiz für die Existenz einer global einheitlichen Kalibrierkurve, vorausgesetzt die Kurven sind unabhängig voneinander entstanden. Im Ergebnis der Diskussion wird jedoch gezeigt werden, daß auch bezüglich der Eichenchronologien nicht von einer völligen Unabhängigkeit gesprochen werden kann, da sie über 14C-Vordatierung der Einzelproben und Wiggle-Matching der Kalibrierkurven untereinander und mit den Borstenkiefernchronologien in einem gewissen Wechselverhältnis stehen. Dendrochronologisch begründete Kalibrierkurven reichen zeitlich bis ans Ende des Pleistozäns heran, eine weiterführende Kalibrierung für die Zeit vor ca. 10.000 Jahren muß sich auf andere Vergleichsverfahren stützen. Diese werden in einem zweiten Teil des vorliegenden Aufsatzes vorgestellt. Die Entwicklung auf diesem Gebiet befindet sich noch im Fluß, so daß eine einheitliche, allgemein anerkannte Kalibrierkurve für die genannte Zeitspanne gegenwärtig noch nicht existiert.

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