Die Wiederentdeckung eines Irrtums

Individualität und Variabilität von Wirbeltierembryonen im Konflikt mit phylogenetischen Konzeptionen

Autor/innen

  • Henrik Ullrich
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a7c7ae1c1b8)
1998-05-01
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Ernst Haeckel postulierte mit dem "Biogenetischen Grundgesetz" u. a. eine phylogenetisch bedingte Synchronität der frühen Individualentwicklungen bei den Wirbeltieren als Rekapitulation ihrer Stammesgeschichte. Auch nach der Widerlegung dieses vermeintlichen Gesetzes zu Beginn des 20. Jahrhunderts bemühten sich Evolutionstheoretiker, einige Grundideen Haeckels in modifizierter Form für phylogenetische Fragestellungen zu nutzen. Eine vergleichend-ontogenetische Studie von Richardson et al. (1997) belegt, daß auch die modernste Version, das "hourglass model" (Sanduhrmodell) mit den Befunden bei Wirbeltierembryonen nicht übereinstimmt. Deren Variabilität und Individualität ist in allen ontogenetischen Entwicklungsstadien erheblich. Rekapitulationsvorstellungen innerhalb phylogenetischer Konzepte für Wirbeltiere werden durch die ontogenetischen Fakten falsifiziert. Die Rolle makroevolutiver Mechanismen auf der Basis von Veränderungen embryonaler Prozesse wird kritisch diskutiert.

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