Die Datierung archäologischer Proben mittels Radiokarbon (14C).

Teil I: Grundlagen

Autor/innen

  • Uwe Zerbst
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1998-05-01
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Die Glaubwürdigkeit antiker Geschichtsberichte, vor allem des Alten Testaments, ist in jüngster Zeit vor dem Hintergrund systematischer archäologischer Untersuchungen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Eine Schlüsselrolle kommt in diesem Zusammenhang der zeitlich korrekten Einordnung des archäologischen Befundes zu. Der vorliegende Beitrag befaßt sich mit einem Teilaspekt dieser Problematik, der Anwendung der Radiokarbonmethode in der Archäologie des Alten Orients. Das Verfahren basiert auf dem radioaktiven Zerfall des in der oberen Atmosphäre kontinuierlich erzeugten Kohlenstoffisotops 14C. Bildung und Zerfall des Isotops stehen in globalen Reservoirs, z. B. der Atmosphäre, in einem dynamischen Gleichgewicht, an dem auch die Biosphäre (die Gesamtheit der Lebewesen) teilhat. Scheidet ein Organismus mit seinem Tod aus der Nahrungskette aus, so verringert sich die 14C-Konzentration in seinem Innern aufgrund des radioaktiven Zerfalls gegenüber dem ihn umgebenden Reservoir stetig. Aus der heutigen, im Labor meßbaren Konzentration kann der Forscher bei Kenntnis des Zerfallsgesetzes auf das Alter, genauer auf den Sterbezeitpunkt der Probe schließen. In der Praxis wird dieses einfache Prinzip jedoch durch mögliche nachträgliche Verunreinigungen der Proben mit Fremdkohlenstoff und durch das Phänomen der Isotopenverschiebung verkompliziert (Tab. 1). Effekte der Isotopenverschiebung werden im Nachhinein korrigiert, um auf diese Weise von den gemessenen 14C-Altern auf wirkliche oder kalendarische Alter schließen zu können.

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