Das Ende der klassischen Homologisierung?

Neue Methoden in der vergleichenden embryonalen Forschung

Autor/innen

  • Henrik Ullrich
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a8075342479)
2005-11-01
Titelbild

Downloads

Zur Bedeutung der Embryologie für die Aufhellung stammesgeschichtlicher Zusammenhänge existieren spätestens seit den Veröffentlichungen von Haeckels vielzitierten und kritisierten Embryonentafeln und seinem Biogenetischen Grundgesetz sehr unterschiedliche Anschauungen. Insgesamt, so schätzen Richardson et al. ein, gelang bisher keine generelle Integration von ontogenetischen Studien in die phylogenetische Modellbildung aufgrund methodischer und terminologischer Schwächen der klassischen vergleichenden Embryologie sowie des hohen Komplexitätsgrades ontogenetischer Entwicklungsprozesse in Raum und Zeit. Neu entwickelte Methoden werden vorgestellt, die auf computergestützten Analysen quantifizierbarer embryonaler Daten beruhen: „event pairing“ und „3D-patterning“. Damit gewonnene Ergebnisse liefern eine objektivere Grundlage für vergleichende Studien und erlauben eine bessere Integration embryologischer Daten in phylogenetische Modelle im Vergleich zu den klassischen Vergleichsmethoden. Die neuen Methoden können allerdings keine Antwort auf Frage nach den ursächlichen Mechanismen hinter dem vorausgesetzten phylogenetischen Wandel geben. Die kausale Begründung der Dimension des phylogenetischen Wandels von Ontogenesen in der Zeit und nicht allein dessen hypothetische Ableitung – wie hier auf rein quantitativer Ebene –, bleibt die große Herausforderung für die Embryologie im Kontext der aktuellen „Evo-Devo“-Debatte.

Lesen Sie diesen Beitrag in folgenden Formaten

Am häufigsten gelesene Artikel dieses Autors

1 2 3 4 > >>