Die Datierung archäologischer Proben mittels Radiokarbon (14C).

Teil III. Probleme bei der 14C-Datierung für den Alten Orient.

Autor/innen

  • Uwe Zerbst
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1999-11-01
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Einführende Im Jahre 1973 prägte Colin Renfrew den Begriff von der "Radiokarbon-Revolution" in der Archäologie (Renfrew 1973). V.a. für Europa hatte die Einbeziehung kalibrierter 14C-Daten einen völligen Umbruch der bis dahin gängigen archäologischen Lehrmeinung nach sich gezogen. Vor der "Radiokarbon-Revolution" war die zivilisatorische Entwicklung Europas "diffusionistisch" erklärt worden. Fortschritte bei der Errichtung monumentaler Architektur oder in der Entwicklung der Metallurgie auf dem westlichen Kontinent waren nach der über ein Jahrhundert vorherrschenden Ansicht erst durch (über das östliche Mittelmeer und die Ägäis "eindiffundiertes") Knowhow aus Ägypten und Mesopotamien ermöglicht worden. Unter Einbeziehung von 14C-Daten wurde dieses Bild nun in dramatischer Weise revidiert. Renfrew und andere hatten die ersten 14C-Kalibrierkurven (vgl. Teil IIa, Abschnitt "Frühe 14C-Kalibrierkurven") auf archäologische Fundhorizonte in Europa angewendet und Alter erhalten, die die bisherigen Annahmen um bis zu 3000 Jahre übertrafen. Die Folgen waren in der Tat revolutionär. Hatte man bisher im südenglischen Stonehenge myzenische Einflüsse gesehen, so erwies sich die Kultstätte jetzt als älter als die gesamte myzenische Kultur. Mittelsteinzeitliche Grabmale im Westen waren zeitlich vor den ägyptischen Pyramiden errichtet worden, die Tempel auf Malta vor ihren nahöstlichen Gegenstücken, die Kupfermetallurgie blühte auf dem Balkan, lange bevor sie in Griechenland bekannt wurde, usw. Anstelle der "diffusionistischen" Erklärung traten lokale Faktoren wie zunehmender Bevölkerungsdruck, Handel oder Warenaustausch als innere Triebkräfte der Entwicklung. Heute existieren regionale 14C-Chronologien von Italien bis Skandinavien und von den britischen Inseln bis auf den Balkan, während der Alte Orient (Ägypten, Mesopotamien, Palästina usw.) nach wie vor überwiegend konventionell, mit den Mitteln der Archäologie und Geschichtsschreibung datiert wird. Man sollte erwarten, daß überall dort, wo ein aus historischen Quellen bekannter Artefakt - etwa ein antikes Monument - mit 14C datiert wird, weitgehende Übereinstimmung mit den historischen Daten besteht. Dies ist aber häufig nicht der Fall, und etliche Forscher vermuten sogar einen generellen Versatz. Im vorliegenden, letzten Teil des Aufsatzes soll diesem Argument anhand von Beispielen aus dem Alten Ägypten, der südlichen Levante und der Ägäis nachgegangen werden. Der Ägäis kommt für die gegenwärtige Diskussion in gewisser Hinsicht besonderes Gewicht zu, da hier die "Versatzlinie" zwischen den 14C- und den konventionellen, archäologisch-historischen Chronologien verläuft.

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